Mittwoch, 3. Juni 2015

"Mutige Mütter" Mittwoch Teil 13

70% aller Mütter mit Kindern unter 15 Jahren sind in Deutschland berufstätig.
Etliche sind unzufrieden, unterbezahlt und ihre Tätigkeit zapft noch nicht mal ihr Potenzial an.
Viele Arbeitgeber bieten Teilzeitkräften keine Möglichkeit, sich zu entfalten oder weiterzuentwickeln.
Mamas Lifestyle stellt euch nun an außgewählten Mittwochen beeindruckende Mütter vor, die es geschafft haben, ihre eigenen Ideen und Träume zu verwirklichen. Diese mutigen Frauen beweisen, dass es niemals zu spät ist, ein Projekt zu starten, für das man mit Leidenschaft brennt.



Heute im Interview: Sarah Walter


"Ich konnte Beruf und Familie noch nie besser trennen! Und das, obwohl ich jetzt ein Homeoffice habe."

 

Sarah ist verheiratet, 29 Jahre jung und lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Löwenkindern (3,5 und 6,5 Jahre alt) in Bremen.
Die gelernte Erzieherin wollte eigentlich als Lehrerin Karriere machen. Doch dann stand sich durch ihre eigenen Ansprüche an sich kurzzeitig selbst im Weg. Auf bewundernswerte Weise fand sie aus ihrer Krise um ihre Work/Life-Balance heraus. Ihr Wunsch, all die unvergesslichen Momente aus ihrem bunten, lauten und verrückten Leben mit Kindern festzuhalten, brachte sie auf eine außergewöhnliche Idee. So wagte sie den Umbruch ihres Lebens.


Du bist gelernte Erzieherin. War das schon immer dein Traumberuf oder hat sich die Berufswahl eher durch äußere Umstände ergeben?

Mein Wunsch war es immer, Lehrerin zu werden. Aus der Lehrerin wurde eine Erzieherin, die später in Schulen oder mit Jugendlichen arbeiten wollte. Da ich für diese Einsatzgebiete zu jung war, entschloss ich mich vorerst in die Kleinkindarbeit zu gehen.

Wie lange hast du in deinem Beruf gearbeitet?

Aus dem „Vorerst“ wurden fast 10 Jahre, weil ich meine Lebensplanung dann nochmal überdacht habe und wir dann erstmal unseren Kinderwunsch in die Tat umsetzten. 

Warst du glücklich damit?

Mit meinem Beruf war ich nur teilweise glücklich. Ich liebe Kinder und ich bin fasziniert von der Arbeit mit ihnen. Meine Leidenschaft ist es, mich von ihnen inspirieren lassen, zu sehen, wie sie die Welt erleben und das freie Arbeiten mit ihnen. Mein Steckenpferd war es schon immer, die kindliche Entwicklung zu beobachten und eben diese motiviert zu begleiten und zu dokumentieren. Als meine Kinder jedoch ins gleiche Alter kamen, war der Spagat zwischen Erzieherin und Mama oft nicht möglich und so blieb ich 24 Stunden in meinem Beruf, was uns nicht gut tat. Ich entschied mich für meine Familie und dafür, einen anderen Weg zu gehen, der sich mit meinen Kindern vereinbaren und mich so vielfältig sein lässt, wie ich bin.

Wie sah vor der Geburt deiner beiden Kinder dein Plan vom „großen Ganzen“ aus? Hattest du genaue Wünsche oder Vorstellungen, wie dein Leben als Frau, Mutter und Angestellte sein sollte?

*haha* Ich wollte „Karriere“ als Lehrerin machen, einen Mann finden und „kurz vor 30“ ein bis 2 Kinder bekommen. Igitt konnte ich spießig sein!

Wie sah die Realität aus?

Mit 22 heiratete ich und bekam unser erstes Wunschkind,  mit 25 dann das Zweite. Ich arbeitete seitdem ich 19 war als  Erzieherin und entschloss mich „kurz vor 30“, den Ausstieg zu nehmen, um den Einstieg in mein selbstbestimmtes Leben zu machen. 

Gab es Schlüsselmomente in deinem Leben, die dir gezeigt haben, welches Lebensmodell das passende für dich ist?

Unsere Kinder, besonders unser erstes Kind, waren oft krank und ich auch. So fiel ich oft auf der Arbeit aus. Das sorgte für Druck und ein schlechtes Gewissen.
Ich musste mir eingestehen, dass ich vor lauter hochgestapelter Ansprüche und Lasten total ausgebrannt war. Als ich für längere Zeit krankgeschrieben wurde und es meiner gesamten Familie in dieser Zeit gesundheitlich viel besser ging, wusste ich, dass es uns gut tut, wenn ich zu Hause bin.

Wie kam dir die Idee zu Remember-Me?

In meinem „Burn out“ brauchte ich neben dem ganzen Nachdenken eine Beschäftigung. Ich wollte Fotoalben für meine Kinder anlegen. Bei der Organisation dessen gingen mir auch noch beide externen Festplatten mit allen Fotos kaputt, worüber ich untröstlich war. Danach war es mir umso wichtiger (ich habe kein Babyalbum), Fotos gleich zu entwickeln und einzukleben, damit mir das im digitalen Urwald nicht nochmal passiert.  Ich begann das klassische Fotoalbum und hatte nebenbei noch 2 Kladden, in die ich für die Kinder jeden Monat ein paar Zeilen schrieb.
Als ich mich dann verklebt hatte und ich nachträglich keine anderen Fotos mehr einfügen konnte, hat mich das sehr geärgert. Außerdem die Tatsache, dass ich das Album optisch nicht schön fand und ich daneben noch diese Kladde hatte. Gesucht wurde also eine kombinierte Lösung, die mir auch noch optisch gefällt. Wo aber hernehmen, wenn es dieses Prinzip noch nicht gibt?! Genau: selbst entwerfen :) !

Hast du dich sofort an die Umsetzung deiner Idee gewagt oder brauchtest du noch einen „Schubs“ von außen?  

Meine Freundin Sandra war mein Schubser! Ohne sie hätte ich mich nicht noch am selben Abend dran gesetzt.

Wie hast du die Realisierung angegangen? Welche Schritte waren erforderlich?

Ich habe alles auf Word (lach) gebaut und es auf meinem Drucker ausgedruckt. Als mein Mann (er ist Werbetechniker) nach Hause kam und das sah, hat er die Krise bekommen! Er nahm die Daten und designte alles in einem richtigen Programm. Wenige Tage später hatten wir den ersten Probedruck in der Hand.

Was genau erwartet deine Kunden?

Ein mit Liebe und Hand gefertigtes Erinnerungsalbum, in welchem sie nicht durch eine Frage und einen dazugehörigen Strich für die Antwort bevormundet und unter Druck gesetzt werden. In einem Remember-Me darf jeder das festhalten, was ihm persönlich wichtig ist.

Wie viel Zeit nimmt dieses Projekt in Anspruch?

Um ehrlich zu sein ist das sehr unterschiedlich. Dabei gucken wir nicht auf die Uhr, denn es ist eindeutig eine Herzensangelegenheit! Wenn man aufs Herz hört, guckt man nicht auf die Uhr :).

Lief Rember-Me von Anfang an deinen Erwartungen entsprechend?

Ich hatte keine Erwartungen und darum lief es besser, als ich gedacht hatte. Ich weiß noch, dass ich unglaublich verblüfft war als am Abend, an dem ich die Rememebr-me´s bei DaWanda einstellte, gleich eines verkauft wurde!

Welche ist die größte Schwierigkeit bei der Etablierung eines solchen neuen Produkts?

Wenn man nicht aus dieser Branche kommt, zu wissen, wie man es „an den Mann“ bekommt.

Welche Tätigkeiten umfasst dein beruflicher Alltag?

Aufträge annehmen, Kundenkontakte pflegen, potenzielle Verkäufer suchen und natürlich die Rememeber-Me´s erstellen :).

Wie organisierst du dich?
 
Ich bin meinem Mann sehr dankbar, dass er neben seiner Arbeit immer fleißig hilft. Meine „klassische“ Arbeitszeit gibt es irgendwie noch nicht... Es ist dennoch mein Ziel, diese einzuführen! Momentan pendle zwischen den Zeitbereichen Vormittags und Abends. Jedoch (fast) nie, wenn die Kinder da sind!

Auf welche Unterstützung von außen bist du angewiesen um dich all deinen Lebensbereichen widmen zu können?

Ich bräuchte dringend eine Putzperle (lach)!  Ansonsten sind unsere Eltern, mein Mann und unsere Freunde momentan wirklich unersetzbar!

Was bereitet dir mehr Freude, was mehr Kopfzerbrechen in deiner selbstständigen Tätigkeit im Vergleich zum vorherigen Angestelltenverhältnis?

Wenn ich ehrlich bin, habe ich nun weniger Kopfzerbrechen, weil ich niemandem mehr Rechenschaft schuldig bin, ich mich nur auf mich selbst verlassen muss und keiner außer meiner Familie auf mich angewiesen ist. Es macht mich glücklich, selbstbestimmt und aus dem Bauchgefühl heraus Entscheidungen zu treffen, die ich mache, weil es sich danach anfühlt und nicht, weil ich um Anerkennung kämpfe.

Hast du einen Tipp, den du gerne selbst vor deiner Gründung bekommen hättest?

Nimm dir Zeit und höre auf dein Bauchgefühl! Lasse Ängste zu und vertraue darauf, dass es schon so kommen wird, wie es gut für dich ist.

Bist du zufrieden mit deiner Work/Life Balance?

Ab dem Zeitpunkt, zu dem ich Klarheit darin bekomme, ob ich überhaupt feste Arbeitszeiten brauche, dürfte ich eigentlich ganz zufrieden sein :)
Eines steht fest: Ich konnte Beruf und Familie noch nie besser trennen, und das, obwohl ich jetzt ein Homeoffice habe.

Woraus schöpft du Energie und Motivation in schwierigen Zeiten?

Mal „rauszukommen“ ist wichtig. Außerdem hilft es mir sehr, dass ich ein Bewusstsein dafür entwickle, was mich stresst. Meinen Perfektionismus in manchen Bereichen runter zuschrauben, ist eine neue Fähigkeit, ohne die das Ganze gar nicht möglich gewesen wäre.

Dann hattest du, wie viele Mütter, mit einer zu hohen Erwartungshaltung an dich selbst zu kämpfen?
 
JA! 

Wie  bist du dieser „Falle“ entkommen? 

Mit meinem Ausstieg aus dem Beruf und.. ich breche mal ein Tabuthema: Mit einer Therapie.


Welche Erkenntnisse konntest du  für dich aus dieser Therapie gewinnen?
Ganz gravierend ist die Tatsache, dass ich durch die Therapie zu meinem Bauchgefühl zurückgefunden habe und mein Leben nicht mehr nur aus perfekt strukturierten Plänen besteht, die im Kopf gebaut wurden. Ich fühle wieder und habe nicht mehr den Drang, alles zu kontrollieren und zu perfektionieren. Das macht mich ruhiger und ist ein großes Geschenk!
Durch die Hinterfragung meiner Überzeugungen der Mutterrolle gegenüber habe ich sehr viele "Aha"-Effekte erlebt, die mir Erleichterung geschenkt haben:

  • Kinder fühlen sich mit ihrer Mutter viel wohler, wenn diese auch glücklich ist.

  • Die Mutter ist glücklich, wenn sie keinen Druck und Stress spürt.

  • Eine Mutter muss nicht zu 150% für die Kinder da sein, sondern auch daran denken, dass Zeit für sie selbst essenziell ist, um zufrieden und ausgeglichen zu sein.

  • Eine Mutter darf auch Fehler machen, ihren Kindern ihre wahren Gefühle zeigen und trotzdem am nächsten Tag wieder glücklich sein.

  • Eine Mutter ist ein Mensch, und keine Maschine, die auf jeden auf sie einprasselnden Reiz reagiert. Sie verdient auch Zeit zu Atmen. 

  • Eine Mutter ist wertvoll und sollte sich selbst auch so behandeln. Sie sollte sich und der Familie Zeit, Ruhe, Freude, Ehrlichkeit und Kommunikation schenken, während sie herausfiltert, welche Situationen für Stress und Druck sorgen.
     

Welche Pläne und Wünsche hast du für die Zukunft beruflich und privat?

Mit der Herstellung unserer eigenen Ordner ist unser Produkt fertig. Mein Ziel ist es, dass wir Anbieter finden, die uns helfen, dieses Herzensgut an die Kunden zu bringen. Es ist hochgestochen, aber mein größter Wunsch ist es, dass die Remeber-Mes eine Marke/ ein Produkt werden, das man einfach kennt. Mit einer guten Auftragslage kann ich es außerdem ermöglichen, dass wir viel Zeit als Familie zu verbringen und es uns gemeinsam gut gehen lassen können.


Ich bedanke mich bei Sarah für dieses offene und ehrliche Interview, die tiefen Einblicke die sie uns in ihr Leben gewährt und ihre Denkanstöße und Motivation, die sie durch ihre Authentizität vermittelt. Ich wünsche ihr, dass bald jeder ihre Remember-Me‘s kennt und sie es weiterhin schafft, es sich und ihrer Familie gutgehen zu lassenJ!
Falls ihr neugierig geworden seid und einen Blick auf ihre einzigartigen Erinnerungsalben werfen möchtet, könnt ihr dies auf ihrer Homepage www.dein-remember-me.de tun.

Außerdem findet ihr Sarah mit ihren Remember-Me‘s auf




 


Kommentare:

  1. Vielen Dank für dieses ehrliche und mut-machende Interview, was mir in meinem aktuellen Sorgen- und Gedanken-Wirrwarr wieder mehr Kraft für meine Entscheidung gibt! :-)

    AntwortenLöschen
  2. Hallo!
    Es ist schön zu lesen, wie andere Mütter ihren Alltag meistern und dass jede Frau auch ihre persönlichen "Problemchen" hat. Eine Putzfee hätte ich allerdings auch ab und zu sehr gern :)
    Gruß, Jessy

    AntwortenLöschen

Was meinst du?