Mittwoch, 13. Mai 2015

"Mutige Mütter" Mittwoch Teil 12

70% aller Mütter mit Kindern unter 15 Jahren sind in Deutschland berufstätig.
Etliche sind unzufrieden, unterbezahlt und ihre Tätigkeit zapft noch nicht mal ihr Potenzial an.
Viele Arbeitgeber bieten Teilzeitkräften keine Möglichkeit, sich zu entfalten oder weiterzuentwickeln.
Mamas Lifestyle stellt euch nun an außgewählten Mittwochen beeindruckende Mütter vor, die es geschafft haben, ihre eigenen Ideen und Träume zu verwirklichen. Diese mutigen Frauen beweisen, dass es niemals zu spät ist, ein Projekt zu starten, für das man mit Leidenschaft brennt.


Heute im Interview: Nicole Bailer


"...wenn du dich entschieden hast, deinem Herzen zu folgen, öffnen sich plötzlich Türen, von denen du nicht mal wusstest, dass es sie gibt!"

 

Nicole ist 30 Jahre jung, verheiratet und Mutter eines kanpp 5-jährigen Wirbelwinds. Ihre Beamten-Karriere beendete sie früh aus freien Stücken, um sich auf die Suche nach ihrer Berufung zu begeben. Nachdem ihr Mann einen schweren Autounfall erlitt, war durch einen jahrelangen Rechtsstreit und die Pflege ihres Mannes an Arbeit nicht mehr zu denken. Doch dann fasste sie einen Entschluß, der ihr Leben verändern sollte: Nicole wollte anderen Menschen in ähnlich schwierigen Situationen Mut machen und begann ihre Ausbildung zum Coach. Heute begleitet sie Mütter in ein Leben voll Leichtigkeit und Freude.




Welche berufliche Richtung hast du nach deiner Schulausbildung eingeschlagen und warum?

Nach meiner Schulausbildung habe ich eine Lehre zur Justizfachwirtin absolviert.
Warum? Tja das ist eine gute Frage: ich hatte ziemlich gute Noten und konnte mir die Stellen aussuchen. Es gab zwei in meiner engeren Auswahl und weil meine ganze Familie sagte, der Job als Beamtin sei perfekt - Sicherheit und gute Bezahlung, habe ich mich für diesen entschieden.

Was hat dich dazu veranlasst, bereits mit knapp 20 diesen Job zu kündigen?
 
Recht bald wurde mir klar, dass diese Arbeit mich nicht erfüllt: ich war umgeben von Menschen die sich auf ihrem Beamtenstatus ausgeruht haben, alles immer nach Schema F gemacht haben und musste Menschen gegenüber treten, die die furchtbarsten Verbrechen begangen hatten. Die Sinn-Frage kam mir immer öfter in den Sinn aber ich habe sie verdrängt, so lange bis mein Körper mit Schwindelanfällen, Ohnmacht und weiteren diversen Symptomen lauter und lauter um Aufmerksamkeit schrie. Irgendwann war ich dann an dem Punkt angelangt, an dem mir klar wurde: egal welche vermeintlichen Sicherheiten mir diese Arbeit auch bietet - ich will sie nicht weitermachen. Ich spürte, dass da mehr auf mich wartete. Und dann habe ich gekündigt - ohne Plan wie es weitergehen würde.

Wie sahen deine  neuen Pläne aus? Wo hast du dich mit 20 Jahren heute gesehen?

Einen wirklichen Plan hatte ich wie gesagt nicht, ich wusste nur was ich nicht mehr machen wollte. In dieser Zeit lernte ich meinen Ehemann kennen und dessen Unfall liess mir erstmal keine Zeit, um Pläne zu schmieden. Ich wusste nur eins: ich wollte unbedingt in seiner Nähe sein - alles andere war mir erstmal egal.
  
Welche Auswirkungen hatte der schwere Autounfall deines Mannes auf euer Leben?

Das Leben wurde durch den Unfall insofern beeinflusst, dass nichts mehr war wie vorher. Jegliches Sicherheitsdenken und sich etwas auf "später aufheben" haben für uns an Bedeutung verloren. Wir lernten die einzelnen Momente wertzuschätzen und auszukosten. Es kamen viele Operationen, Reha-Aufenthalte usw. und zahllose schlaflose Nächte. Es war eine sehr schwere Zeit, weil wir um unser Recht kämpfen mussten. Die gegnerische Versicherung wollte einfach nicht bezahlen und so begann ein zäher Streit, in dem ich sogar die Medien eingeschaltet habe. Nachdem zweimal über uns in der ARD berichtet wurde, kam dann endlich Schwung in die Sache. Aber bis dahin über die Zeit von knapp 7 Jahren lebten wir mehrmals am Existenzminimum und fühlten uns in der Tat ziemlich allein gelassen. Viele Freunde haben sich abgewandt und wollten nichts mehr mit uns zu tun haben. Wir haben in dieser Zeit viel verloren aber auch wahre Freunde gewonnen und ganz viel Vertrauen in das Leben selbst.
 
Was gab dir den Anstoß, deine Ausbildung als Coach zu machen?

Die Entscheidung Coach zu werden, traf ich in der Zeit, in der ich meinen Mann gepflegt habe. Ich wollte nicht länger "nur" Zuhause sitzen, sondern Menschen helfen. Ich wollte Menschen in ähnlichen Situationen begleiten und ihnen Mut machen. So startete ich meine Ausbildung zum Personal- und Business-Coach und war von Anfang an Feuer und Flamme.

In welchen Bereichen coachst du heute Menschen und wie läuft so ein Coaching bei dir ab?

Heute habe ich mich auf Mütter als Kundinnen konzentriert. Ein Coaching bei mir bedeutet einen großen Schritt in Richtung "zurück zur Selbstbestimmung - weg von der Aufopferung."
Ich begleite Mütter dabei, sich selbst wieder WERT zu schätzen, das heißt ich führe sie näher zu sich. Welche Bedürfnisse habe ich als Frau/Mutter und warum gönne ich sie mir nicht? Welche Gedankenmuster herrschen in mir ("eine gute Mutter macht ......") und wie würde mein Leben aussehen, wenn ich glücklich wäre?

Wen bringt dein Coaching weiter?

Jede Mutter die spürt, dass der Tag einfach nicht genügend Stunden hat sollte sich prinzipiell Gedanken machen ;-).
Nein ernsthaft: Jeder Mutter hat das Recht auf Ruhe, Zeit für sich und Erholung und jede Mutter kann das auch erreichen. Aber wir Frauen trauen uns nicht! Wir sind von früh bis spät damit beschäftigt, Erwartungen zu erfüllen und alles und jeden zufrieden zu stellen. Da bleibt keine Zeit mehr für uns. Eine Zeit lang können wir kompensieren aber irgendwann werden wir unzufrieden, launisch und bekommen Schmerzen im Körper. Dann kommen Tabletten und Kuraufenthalte und nach diesen geht es wieder zurück ins alte Hamsterrad. Alles was es braucht um diesen Kreislauf zu durchbrechen ist SELFCARE!!! Eine Anleitung zum leichten und glücklichen Leben, herausfinden, was mir gut
tut und dies dann auch zu machen. Es sind Kleinigkeiten und keine großen Unternehmungen - die meisten Frauen sind überrascht, wie einfach es im Prinzip ist.
 

Hat dir die Erfahrung, Mutter zu werden, auch beruflich neue Blickwinkel verschafft?


Mutter zu werden hat mir auf jeden Fall neue Blickwinkel verschafft: Geht nicht  - gibt's nicht! Wer ein Kind zur Welt bringt, vermag alles auf dieser Welt zu erreichen ;-) .
Außerdem hat mir meine Tochter beigebracht, Prioritäten ganz neu zu setzen und mir gezeigt, wie schön es ist LANGSAM durch die Welt zu gehen. Einfache Dinge zu erkennen und anzuwenden ist auch beruflich in den Coachings der Schlüssel zum Erfolg, nicht das Aufzählen Unmengen toller Tools und Methoden.

Wie sieht dein Alltag aus? Wie viel Zeit widmest du welchen Aufgaben und wie organisierst du dich?

Vormittags wenn die Kleine im Kindergarten ist, habe ich Zeit für mich. In dieser Zeit arbeite ich ca. 2-3 Stunden im Business und eine Stunde gehört mir. In dieser Stunde gehe ich entweder spazieren, mache Yoga oder lese. Die Nachmittage gehören meist der Familie und dem Haushalt. Wenn Netzwerkveranstaltungen oder Coaching Termine am Nachmittag anstehen, passt mein Mann auf die Kleine auf. Mein Alltag ist flexibel und keine Woche gleicht der Anderen. Das gefällt mir sehr gut ;-). Mein Mann ist mir wirklich eine große Hilfe und Unterstützung - ohne ihn wäre vieles nicht so leicht. Ich bin dafür sehr dankbar und weiß es zu schätzen.

Kannst du deinen Beruf genauso ausüben, wie du das gerne möchtest oder fühlst du dich durch äußere Umstände eingeschränkt?

Im Moment sind wir im Umzugswahnsinn und vieles läuft nicht so, wie ich es mir wünsche. Aber das wird sich hoffentlich bald einspielen. Finanziell stehe ich noch relativ am Anfang und klar gibt es Tage, an denen ich gefrustet bin, aber hey: Rom ist nicht an einem Tag gebaut worden und das, was ich mache braucht Vertrauen. Die Frauen kaufen bei mir schließlich keine Schüsseln oder Staubsauger ;-).
Von der Zeit her stehe ich mir oft selbst im Weg und versäume es, mich klar abzugrenzen. Wenn das Telefon klingelt und meine Mama anruft, dann gehe ich dran obwohl ich mir eigentlich vorgenommen hatte: JETZT NICHT! Es ist aber auch schön, wenn es noch Dinge gibt, an denen ich arbeiten kann.

Bist du mit deinem Job glücklich?

Ich bin absolut glücklich, denn ich lebe meine Passion und Vision in dem, was ich tue. Mit jeder Email, mit jeder Nachricht, die ich bekomme,spüre ich: Ich mache das Richtige.
Es gibt so viele wundervolle Frauen da draußen, die sich klein machen (lassen) und das darf nicht länger sein. Dafür stehe ich jeden Morgen gerne auf.

Gab es einen besonderen Schlüsselmoment in deinem Leben, der dir gezeigt hat, welcher Weg dein richtiger ist?

Es war sicher das Zusammenspiel einiger Punkte: der Unfall meines Mannes und schon früh das Gespür für mein Herz. Und wenn du dich entschieden hast, deinem Herzen zu folgen, öffnen sich plötzlich Türen von denen du nicht mal wusstest dass es sie gibt ;-). Das sind unglaubliche Zeichen!

Hast du ein Ritual, das dir in schweren Zeiten Kraft spendet?

Ein täglicher Begleiter gerade dann, wenn es mir mal nicht so gut geht, ist die Meditation. Dieses Ritual ist aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken. Was mir auch immer viel Mut und Kraft spendet sind Spaziergänge im Wald - ich liebe sie.

Findest du neben deinem Beruf, Haushalt, der Betreuung deiner Tochter und der Unterstützung deines Mannes auch noch Zeit für dich selbst? Wie schaffst du es, Prioritäten zu setzen?

Das war ein langer Prozess und auch heute noch gibt es Tage, an denen ich mir nicht den Wert zukommen lasse, der eigentlich richtig wäre. Doch da ich das "Glück" habe, meinen Mann den ganzen Tag Zuhause zu haben, kann ich auch spontan mal sagen: "Ich hau' jetzt eine halbe Stunde oder Stunde ab."
Ich gönne mir täglich kleine Aufmerksamkeiten, die mir Freude und Kraft spenden: das sind Meditationen nach dem Aufstehen und mindestens am Abend nochmal, einmal die Woche ein ausgiebiges Home-Spa und täglicher Austausch mit Freundinnen und Kolleginnen. Je mehr ich mich dem Fluss hingebe, desto schönere Möglichkeiten ergeben sich für mich - täglich aufs Neue.

Gibt es einen speziellen Moment während deiner Zeit als Coach, an den du dich besonders gerne zurückerinnerst?

Ich biete exklusive Tagesangebote an, in denen ich energetische Massagen mit Coaching verbinde. An einem solchen Termin ( die Frau war total verkrampft und ziemlich verbittert) erlebte ich zum ersten Mal was es bedeutet, etwas wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Die ganze Geschichte wäre sicherlich zu lange aber nachdem wir uns auf den Tag eingestimmt und die Vorgehensweise besprochen hatten, bekam die Dame von mir eine Reflexmassage an den Füßen. Es gab viele Verhärtungen und ich spürte, dass vieles versuchte an die Oberfläche zu kommen. Nach dieser Massage ließ ich die Dame für ungefähr 20 Minuten alleine und wir begannen mit diversen Fragen und der Lumi-Methode, ihre Probleme anzusehen. Nachdem wir einige Punkte erkennen konnten und die Frau immer mehr an Klarheit gewann, begann sie plötzlich zu schluchzen und die Tränen liefen wie ein Wasserfall. Sie wurde geschüttelt von Weinkrämpfen und konnte nach vielen Jahren endlich Dinge aus ihrem Lebensrucksack heraus nehmen, der sich danach so leicht wie schon lange nicht mehr anfühlte. Dieses Erlebnis war für mich sehr bewegend.


Was motiviert dich, das zu tun, was du tust und dich auch durch Rückschläge nicht von deinem Ziel abbringen zu lassen?

Mich motiviert mein eigenes Leben. Wenn ich sehe, wo ich schon stand und wie es mir heute geht, denke ich: YEAH! Wenn ich das schaffe, dann schaffen es alle anderen Frauen auch. Die Hürde erscheint immer viel zu groß weil wir direkt davor stehen, gehen wir aber ein paar Meter zurück, ist alles nicht mehr so bedrohlich.

Welche Wünsche hast du für deine Zukunft?

Ich wünsche mir, dass meine kleine Maus so frei im Geiste bleibt wie sie jetzt ist und dass sie nie vergisst, wie wundervoll und einzigartig sie ist. Ich wünsche mir, dass wir Frauen unsere Einzigartigkeit erfahren und raus aus der AufOPFERung kommen. Ich wünsche mir, dass ich mit meiner Mission ganz viele wundervolle Frauen erreichen und unterstützen kann und dass ich eines Tages in einem schönen kleinen Haus an der Côte d'Azure leben kann.

Ich danke Nicole von Herzen dafür, dass sie ihre inspirierende Geschichte mit uns teilt und wünsche ihr und ihrer Familie viele Herzensmomente, Gesundheit, Erfolg und ein hübsches Häuschen in Frankreich!

Wenn ihr Kontakt zu Nicole aufnehmen wollt, könnt ihr das über ihre Homepage oder ihre Social Media Profile:

 www.nicole-bailer.de
Facebook: https://www.facebook.com/pages/Happy-Mam/1654364161458097
Xing: https://www.xing.com/profile/Nicole_Bailer

Kommentare:

  1. Eine tolle Frau und ein Interview, das mich wirklich berührt hat. Vielen Dank dafür!

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  2. Ich verfolge Nicole und ihren Weg schon lönger. Dieses Interview hat mich wirklich berührt. Vielen lieben Dank für die ehrlichen Worte.

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