Freitag, 17. April 2015

Wollen wir ein drittes Kind?

Mission completed?
Warum ich persönlich der Meinung bin, dass der optimale Zeitpunkt um Kinder zu bekommen einfach IMMER ist, habe ich euch bereits vor über einem Jahr ausführlich erläutert.

Grundsätzlich bin ich ja der Ansicht, dass ein Kinderwunsch eine Herzensangelegenheit ist. Eine Entscheidung, die aus dem Bauch kommen sollte. Optimalerweise wird der still gehegte Wunsch durch ein praktisches Argument und passendes Zeitfenster unterstützt, was durchaus bei "Sprung ins kalte Wasser" helfen kann. Wie beim Zwerg. Der Mann und ich waren uns einig, dass wir weiteren Nachwuchs möchten. Da bot sich die Einschulung der Großen und mein damit verbundener Wunsch, beruflich kürzer zu treten, als idealer Zeitpunkt an. Und unser "Plan" ging erstaunlich gut auf: 5 Tage vor der Einschulung begann mein Mutterschutz.

Mittlerweile sind 3 Jahre seit der Geburt des Zwerges verstrichen und so langsam häufen sich die Fragen aus dem Umfeld nach "dem Dritten".


Und so fragen auch mein Mann und ich uns: Wollen wir noch ein Kind? Haben wir "abgeschlossen" mit Schwangerschaft, Kreissaal, Kleidung in Größe 52, Kinderwagen, Maxi Cosi, Blähungen und Zahnen? Oder würde ein weiteres Familienmitglied unsere Familie noch reicher machen?

Harmonisches Familienidyll zu Fünft?

Wenn ich von Freunden oder Bekannten ein Baby in den Arm gedrückt bekomme, seht ihr mich mit diesem entrückten Lächeln, das nur Geisteskranke oder über alle Maßen verzückte Mütter zustande bringen. Der Duft eines Babys zieht mich magisch an (den des Windelinhalts möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich ausklammern). Bei der Vorstellung, das erste zahnlose Lächeln oder tapsende Cowboyschritte zu begleiten, werde ich total euphorisch. Und wäre es nicht Bilderbuch-oberhammermäßig idyllisch, lässig mit dem Kinderwagen durch den Park zu schlendern, während die beiden Großen Laufrad und Waveboard fahren? Wir würden sicher ein wunderbares Toffifee-Familienbild abgeben. Die Große würde dem Neuankömmling Gute-Nacht-Geschichten vorlesen, der Zwerg beim Baden und Wickeln helfen. Glucksendes Babylachen und feuchte Küsse. Patschehändchen und strahlende Augen. Ein Stimmchen mehr, das eines Tages an Heilig Abend Weihnachtslieder mit uns trällert. Ein krakeliges Muttertags-Geschenk mehr, das mit stolzgeschwellter Brust präsentiert wird.
Ein Mensch mehr, dessen Leben wir so intensiv wie möglich begleiten dürften und dem wir versuchen würden, die Welt zu Füßen zu legen.

Jetzt werdet ihr sagen : "Worauf wartest du?! Ab in die elterlichen Gemächer und ran an die Arbeit!" Haha! Wenn das mal so leicht wäre. Da gibt es nämlich noch die andere Seite der Medaille.

Noch mehr Chaos, Erschöpfung und Wahnsinn?

Die, die zum Vorschein kommt, wenn mein Mann tagelang beruflich unterwegs ist (was mehrmals pro Monat vorkommt) und ich mit fettigen Haaren, kranken und trotzdendem Kindern Urin vom frisch geputzten Badezimmerboden wische, liebevoll zubereitetes Essen in die Tonne wandert (meine Kinder ändern ihren Geschmack gelegentlich ständig) und ich mich orientierungslos durch Wäscheberge kämpfe.
Tage, die auf mehrere schlaflose Nächte folgen, an denen ich mich morgens wie ein Zombie wankend durch die Küche schleppe und bereits auf die Stunden freue, in denen die Kinder in Schule und Kindergarten sein werden.
Ausflüge, bei denen ich den mittlerweile fast 20 Kilo schweren Zwerg durch Berg und Tal schleppe, weil ihre Füße "müde" sind während mir die Große in rekordverdächtigem Tempo den kompletten 5. Harry Potter Band zusammenfasst und hinterher mit mir erörtern möchte, welcher Animagus sie wohl wäre.
Nächte, in denen ich Wasser an Betten bringe, Schlaflieder singe, CDs abspiele, Kuscheltiere suche, Monster verjage, Referate mit morgigem Abgabetermin kontrolliere, Muffins backe, Geburtstagsgeschenke verpacke, meine Supermarkteinkäufe online bestelle, matschige Winterstiefel putze und um 3 Uhr morgens mit meiner Arbeit beginne.
Momente, in denen ich nach 20 Stunden nervenaufreibendem Dauereinsatz überlege, ob ich lieber in die Dusche steigen oder die 2stündige Pause mit einem Power-Nap auf dem Badezimmervorleger verbringen soll.
In diesen Augenblicken ist völlig klar: Ein drittes Kind?! HAHA! NIEMALS!

Alte Pläne durch neue ersetzen?

Hinzu kommen gemeinsame Familien-Träume, die bei Zuwachs aufgeschoben werden müssten. Der erste heißersehnte Familien-Kinobesuch, der mittlerweile in greifbare Nähe gerückt ist, müsste wohl noch ein paar Jahre warten. Der Skiurlaub, den wir nächstes Jahr endlich buchen könnten weil der Zwerg dann alt genug sein wird, um eingepackt wie ein kleiner Eskimo die ersten Hügel runterzubrettern- mit Säugling undenkbar. All unsere geplanten Reisen, die wir noch nicht realisiseren konnten, da von Malariaprophylaxe bei Kindern unter 5 Jahren abgeraten wird. Safari in Afrika, Elefantenreiten in Asien, ... Die erste Achterbahnfahrt als Familie, auf die wir uns schon heute freuen.
Flexible Reisen ohne Koffer voller Windeln, ohne Buggy und Maxi Cosi als Sperrgepäck, mobil und spontan würden wir die Welt gemeinsam erkunden. Der Blick vom Empire State Building, den ich meinen Kindern so gerne zeigen würde. Exotisches Essen, verrückte Menschen. Diese Pläne noch ein paar Jahre weiter aufzuschieben, scheint mir falsch. Die Große würde vielleicht sogar schon ausziehen, bevor wir unsere bunte Adventure-To-Do- Liste abgearbeitet hätten (oder hätte keinen Bock mehr, ständig mit ihren "Alten" abzuhängen).

Von Herz und Vernunft 

Unsere Familie ist gesund und glücklich. Chaotisch und vollkommen. Warum das Schicksal herausfordern? Das Vernünftigste scheint mir, mit der Familienplanung abzuschließen und meine Lieben mit all ihren Fehlern und wunderbaren Eigenschaften zu geniessen. Weiterhin mein Leben zu leben und doch ihres zu begleiten. Momente voll auszukosten und mich stets auf morgen zu freuen. Unsere großen und kleinen Pläne in die Tat umzusetzen und unseren Weg als Familie weiter zu beschreiten, ohne Rücksicht auf ein hilfloses Wesen nehmen zu müssen.
Doch dann blicke ich aus dem Fenster und sehe vor unserem Garten dieses winzige, entzückende Menschlein mit seiner Mutter staunend und unbeholfen die Grashalme entdecken und diese süße Sehnsucht legt sich um mein Herz.
Wir werden sehen, was das Leben noch für uns bereit hält.

Wie es auch kommen mag- in jedem Fall es wird bunt und voller Freude!


Dieser Post ist ein Beitrag zur Blogparade #Planänderung von chaoshoch2.

1 Kommentar:

  1. Mir geht es da ganz ähnlich wie dir :) Ich habe 2 wundervolle Kinder, manchmal denke ich aber auch, was wäre wenn?! Dann habe ich wieder Bedenken, dass meine 2 weniger oder zu wenig Aufmerksamkeit bekommen könnten und finde, dass alles gut so ist wie es ist ;)

    AntwortenLöschen

Was meinst du?