Mittwoch, 29. April 2015

"Mutige Mütter" Mittwoch Teil 11


70% aller Mütter mit Kindern unter 15 Jahren sind in Deutschland berufstätig.
Etliche sind unzufrieden, unterbezahlt und ihre Tätigkeit zapft noch nicht mal ihr Potenzial an.
Viele Arbeitgeber bieten Teilzeitkräften keine Möglichkeit, sich zu entfalten oder weiterzuentwickeln.
Mamas Lifestyle stellt euch nun an außgewählten Mittwochen beeindruckende Mütter vor, die es geschafft haben, ihre eigenen Ideen und Träume zu verwirklichen. Diese mutigen Frauen beweisen, dass es niemals zu spät ist, ein Projekt zu starten, für das man mit Leidenschaft brennt.



Heute im Interview: Emma Wagner


"...was mich teilweise wirklich blockiert hat, war meine Sorge, meinen Kindern nicht gerecht werden zu können."

 

Emma heisst eigentlich gar nicht Emma. Ich kenne zwar ihren richtigen Namen, verrate ihn aber an dieser Stelle nicht.
Die 33-jährige verschlug es nach dem Abitur von Niedersachsen nach Heidelberg. Dort wollte sie eigentlich als Diplom-Biologin Karriere machen. Wie so oft im Leben kam alles anders: Vor 9 Jahren heiratete sie ihren Mann, wurde dann Lehrerin und bekam ihre Söhne (5 und 1 Jahr alt) und ihre Tochter (3). Während ihrer 3. Schwangerschaft und voll im Berufsleben stehend, entschied sich Emma, unter diesem Pseudonym ihren ersten Roman zu schreiben. Mittlerweile hat sie drei erfolgreiche Romane veröffentlicht, ihr vierter erscheint morgen.

Wie sie das alles wuppt, welchen Herausforderungen sie sich stellen musste und was es bei einer Zweitkarriere als Autor/in zu beachten gilt, verrät sie uns heute im Interview. Mit ihren humorvollen und interessanten Antworten hat sie mich zutiefst beeindruckt:


 

Du hast dich nach dem Abitur für ein Biologie-Studium entschieden. Wie sah damals, zu Beginn deines beruflichen Werdegangs dein „großer Plan“ vom Leben aus?

Ganz klar: In die Forschung gehen, die Naturwissenschaften revolutionieren, ein Heilmittel für mindestens zehn bislang unheilbare Krankheiten finden und nebenher noch eine Großfamilie gründen. So ungefähr … Ich war schon immer sehr optimistisch ;-)

Gab es einschneidende Erlebnisse, an denen du entschieden hast, diesen Plan über den Haufen zu werfen? 

Tja, nachdem ich unzählige Stunden damit verbracht hatte, einsam in einem Labor vor mich hin zu pipettieren, wurde mir klar, dass das nicht mein Ding war. Nein, ich brauchte Menschen und Leben und Action um mich herum!
Davon habe ich nun reichlich :-) Einerseits beruflich – Was hätte sich da besser geeignet als Lehrerin? – anderereits privat, denn inzwischen habe ich drei Kinder im Alter von 5, 3 und 1 Jahr.
Es hatte sich für mich also im Nachhinein als absoluter Glücksfall herausgestellt, dass ich nach dem Abi das Bedürfnis hatte, auf eigenen Beinen zu stehen. Und das möglichst weit weg von zu Hause. So kam ich durch Zufall nach Heidelberg und begriff erst hier, in was für einer tollen Stadt ich gelandet war. Es war daher nicht weiter verwunderlich, dass ich hier mein Herz verlor. An die Stadt und meinen Mann.
Ihn habe ich noch während meines Examens geheiratet – so zwischen mündlicher und schriftlicher Prüfung – und wir sind seit 9 Jahren verheiratet. Die meiste Zeit davon glücklich. Jedenfalls wenn er nicht schon wieder mit den Kiddies Fußball spielt - im Wohnzimmer wohlgemerkt ;-)

Nach der Geburt deiner ersten beiden Kinder bist du nach jeweils einem Jahr Elternzeit in deinen Job zurückgekehrt. Konntest du diese Entscheidung selbstbestimmt treffen oder wurdest du durch äußere Umstände dazu gezwungen?

Sowohl als auch. Bei meinem ersten Kind war ich richtiggehend froh glücklich darüber, endlich wieder in meinen Beruf einsteigen zu können. Sich ein Jahr lang fast ausschließlich in Babysprache unterhalten zu können, schlaucht auf Dauer ein bisschen ;-)
Doch natürlich ist es ein großer Unterschied, ob nur einer oder beide Partner verdienen, insofern stand auch nach meiner zweiten Geburt fest, dass ich bereits nach einem Jahr wieder arbeiten gehen würde. Dieses Mal tat ich es mit einem lachenden und einem weinenden Auge.  

Wie hat sich deine Einstellung zum Beruf durchs Mutter-Sein verändert?

Von Haus aus eigentlich Perfektionistin, habe ich gelernt, die Dinge gelassener zu sehen. Notgedrungen, denn ein mit drei Kindern, Haushalt und Job bis an den Rand vollgestopfter und verdammt früh beginnender Tag erlaubt es nun einmal nicht, sich darüber Gedanken zu machen, ob die Überschrift des Arbeitsblattes auch genau in der Mitte der Seite angeordnet ist ;-)
Ich glaube, dass meine Schüler sich sehr darüber freuen, dass ich durch mein Muttersein mehr Verständnis auch für sie entwickelt und gelernt habe, auch bei ihnen Fünfe grade sein zu lassen.

Wann kam dir die Idee, als Autorin dein Glück zu suchen?

Als ich über die Sommerferien 2013 mit Kind und Kegel bei meinen Eltern zu Besuch war. Es war einer dieser seltenen Momente während meiner dritten Schwangerschaft, in denen ich einfach nur entspannt auf der Terrasse sitzen und meinen Kindern beim Spielen zugucken konnte. Und da die Fähigkeit, einfach mal untätig herumzusitzen, mir offenbar über die vorangegangenen, ziemlich stressigen Jahre abhanden gekommen war, klappte ich meinen Laptop auf und fing an zu schreiben. Drei Wochen später hörte ich auf und hielt das Manuskript zu meinem ersten Roman in der Hand.

Vom aufkeimenden Gedanken bis zur Umsetzung…wie lange hat’s gedauert?

Ein paar Jahre J Denn schon von Beginn meines Studiums an sagten mir alle Bekannten, denen ich von all den sonderbaren, wunderbaren und lustigen Dingen berichtete, die meinen Freundinnen oder mir so passiert sind, spaßeshalber, dass ich das eigentlich alles mal aufzuschreiben müsste. Ab und an hatte ich auch tatsächlich mit diesem Gedanken gespielt, kam jedoch nie über ein paar Seiten hinaus, da in meinem Leben einfach immer ein Ereignis das nächste gejagt hat.
Als es dann aber endlich so war, floss es nur aus mir heraus. Doch als ich drei Wochen später mein Manuskript fertig hatte, fing die eigentliche Arbeit erst so richtig an. Mir war nämlich zuvor – zum Glück – gar nicht bewusst gewesen, wie viel Zeit im Anschluss ans eigentliche Schreiben dann noch fürs Korrekturlesen und Überarbeiten drauf geht. So hat es dann doch noch fast ein halbes Jahr gedauert, bis mein erster Roman endlich im Januar 2014 an den Start gehen konnte.

Welche Hürden musstest du zur Realisierung deiner Ziele nehmen?

Meine besorgte Familie hielt meine Schreiberei für furchtbare Zeitverschwendung und versuchte mich davon abzubringen, mir bei all meinem sonstigen Stress auch noch diese Belastung aufhalsen. Daran, dass meinen Roman mehr als drei Leute lesen würden, hatte zu diesem Zeitpunkt niemand geglaubt.
Meine Freunde schüttelten verständnislos die Köpfe und von den meisten Bekannten wurde mein „kleines Hobby“ herablassend belächelt.
Doch all das war eher noch ein Ansporn für mich, um weiterzumachen!
Das Einzige, was mich teilweise wirklich blockiert hat, war meine Sorge, meinen Kindern nicht gerecht werden zu können. Aus diesem Grunde – und weil es sich praktisch gar nicht anders realisieren lässt – schreibe ich nachts. Wenn die Kinder im Bett sind und zur Abwechslung auch mal schlafen ;-)
Insofern ist die größte Hürde einfach nach wie vor die mangelnde Zeit zum Schreiben. Denn neben dem eigentlichen Schreiben gibt es ja auch noch unzählige andere Dinge, um die man sich kümmern muss, wie z.B. das Cover, die Homepage, der Kontakt zu Kollegen und Lesern über Facebook, Gewinnspiele, Buchmessen und, und, und …
Um diese Dinge versuche ich mich zu kümmern, während mein Kleinster Mittagsschlaf hält, damit ich abends den Kopf fürs Schreiben frei habe. Klappt leider nicht immer zumal der Mittagsschlaf zunehmend zu einem Schläfchen verkommt ;-)

Wie kamst du auf dein Pseudonym?

Ich hatte tierische Angst davor, dass mein Roman ein totaler Reinfall werden und ich meine Sonntagsbrötchen in Zukunft online würde kaufen müssen. Daher wollte ich auf gar keinen Fall unter meinem realen Namen an den Start gehen. Und da mir der Name Emma schon immer gefallen hat und überdies der Name meiner über alles geliebten Omi ist, fiel die Wahl sofort darauf.
Tja, und aufgrund meines eigenen komplizierten Nachnamens dachte ich mir: Nimm um Gottes Willen einen Nachnamen, den die Leute leicht schreiben, leicht aussprechen und sich im besten Fall auch noch merken können. Das dürfte bei ,Wagner‘ der Fall sein ;-)
Gott sei Dank wurde es dann ja doch kein Reinfall. Ganz im Gegenteil. Doch ich hatte mich bereits so sehr an mein Pseudonym gewöhnt, dass ich es nicht mehr hergeben wollte. Er fühlt sich tatsächlich inzwischen schon so sehr wie ein realer Name an, dass ich mich immer öfter dabei ertappe, wie ich Mails meines „realen“ Ich mit meinem Pseudonym unterzeichne.
Oder ich hieß in meinem letzten Leben tatsächlich Emma Wagner. Wenn nicht, liebes Universum, weißt du ja, was ich mir für das nächste Leben wünsche. Abgesehen vielleicht von Hemden, die sich selbst bügeln ;-)

Welche Arbeit bereitet dir mehr Freude: Die als angestellte Lehrerin oder freiberufliche Autorin?

Das kann ich gar nicht so recht sagen, da beide Tätigkeiten sowohl ihre Glücksmomente als auch ihre Schattenseiten haben.
An meinem Job als Lehrerin liebe ich das Unterrichten und den Kontakt zu meinen Schülern über alles. Ich kriege von ihnen so viel Positives zurück! Und natürlich sind die Vielfältigkeit und die Abwechslung in diesem Job genau mein Ding. Kein Tag ist wie der andere, keine Unterrichtsstunde wie die vorherige. Es gibt so viele Möglichkeiten, sich kreativ auszutoben – theoretisch.
Leider werden diese Möglichkeiten nämlich in der Praxis oftmals durch so viele Rahmenbedingungen eingeschränkt, dass es häufig frustrierend ist. Und – vor allem – hasse ich das Korrigieren und all die endlosen Konferenzen!
In meiner Tätigkeit als freiberuflicher Autorin hingegen liebe ich natürlich das Schreiben über alles. Diese berauschende Möglichkeit, alles Realität werden zu lassen, was ich möchte. Personen, Orten und Geschichten Leben einzuhauchen. Der eigenen Kreativität völlig freien Lauf lassen zu können, selbstbestimmt seinen Tag und seine Arbeit gestalten zu dürfen – zumindest theoretisch, von der Kleinigkeit dreier Kinder mal abgesehen ;-)
Doch fast noch grausamer als das Korrigieren von Klassenarbeiten ist das Überarbeiten der eigenen Romane: Stundenlang an einzelnen Sätzen zu feilen, so viele der liebegewonnenen Worte streichen und immer und immer wieder den eigenen Text durchgehen zu müssen, während man doch eigentlich endlich mit der nächsten Idee loslegen will.
Und das alles Nachts um elf, während ich weiß, dass in spätestens fünf Stunden mein Kleinster die Nacht für beendet erklären wird. Ich muss echt einen an der Waffel haben ...

Wie schaffst du es, alle Aufgaben logistisch unter einen Hut zu bekommen? 

Wie ich das schaffe? Mit sehr wenig Schlaf und noch weniger Freizeit ;-) Denn leider muss mein Mann sehr weit zu seiner Arbeitsstelle fahren, verlässt daher das Haus um sechs und kommt um halb neun abends wieder. Und da die Großeltern 350 km entfernt wohnen, fehlen mir ein paar helfende Hände eigentlich an allen Ecken und Enden.

Wie sieht ein Tag in deinem Leben aus?

Den typischen Tag gibt es bei mir gar nicht. Jeder ist eine neue Herausforderung und unvorhersehbar – und dabei will ich gar nicht erst von kaputten Spülmaschinen, grippekranken Kindern oder (noch schlimmer) erkälteten Männern – anfangen.
Zum Glück sind die beiden Großen bereits im Kindergarten, so dass ich in dieser Zeit mit dem Kleinsten auf dem Arm das Nötigste an Haushalt machen kann, bevor ich sie vom KiGa abhole und in unser Nachmittagsprogramm starte. Als da wären: Basketball, Schwimmen, Singen, Turnen, Arzttermine, Spieleverabredungen, Zoo-Besuchen, Kindergeburtstage, Basteln, bis mir der Arm ab- und Bücher vorlesen, bis mir die Augen zufallen, alle Viertelstunde irgendeine Sauerei beseitigen und die Kinder davon abhalten sich im Couch-Weitsprung zu messen ... Und das alles, selbst wenn man sich jeden Virus eingefangen hat, den der Kindergarten zu bieten hatte.
Gleich bleibt dabei nur die nahezu unheimliche Fähigkeit meiner Kinder sich dahingehend abzusprechen, dass immer mindestens einer der drei schon um halb fünf nach mir schreit, während die anderen bis achte pennen ;-)
Da bleibt die Wäsche dann halt auch mal fünf Tage liegen und groß gekocht wird nur alle paar Tage und dann auf Vorrat.
Die Zeit mit meinen Kindern ist mir einfach um Einiges wichtiger als ein Boden, von dem man essen kann, oder eine picobello aufgeräumte Garderobe.
Und abends um acht müssen die Kinder im Bett sein, damit ich mich endlich an den Laptop setzen kann. Sonst kriege ich die Krise. Die kriege ich allerdings meist trotzdem, denn normalerweise fängt jetzt das abendliche Theater an: Lied singen, Trinken holen, Pippi machen gehen, nochmal trinken, Zudecken, erneut Lied singen, Schnuller suchen, aufs Klo tragen ...
Naja, und dann wird eben irgendwie noch geschrieben, selbst wenn ich so müde bin, dass ich fast vom Klo falle ;-).
Im Moment lassen sich Schreiben und Familie also nicht wirklich gut vereinbaren. Doch ich denke, dass das immer leichter wird, je älter die Kinder werden.  Zumindest kann man dann mal hier oder dort zwei Stündchen Zeit für sich abzwacken, ohne alle zwei Minuten aus seinen Gedanken herausgerissen zu werden, weil gerade diverse Cremetuben an den Möbel ausgedrückt, sämtliche Regale ausgeräumt oder Wettbewerbe im Couch-Weitspringen veranstaltet werden. Doch im Grunde genommen sind solcherlei Aktivitäten ja okay. Verdächtig ist ja nur plötzliche Stille. Dann schrillen meine Alarmglocken.
Ein großer Nachteil am Schreiben ist allerdings – zumindest bei mir – dass ich nicht abschalten kann. Früher blieb die Arbeit, wo sie hingehörte, nämlich am Arbeitsplatz. Jetzt begleitet sie mich in meinem Kopf auf Schritt und Tritt.
Doch zum Glück sind wir Frauen ja bekanntermaßen Multitasking-fähig. So bin ich inzwischen in der Lage, mit Baby auf dem Arm beim Haarewaschen zu telefonieren, während ich meine beiden großen Kleinen davon abzuhalten versuche, die Orchideen in Multivitaminsaft zu ertränken und dabei gleichzeitig über den Plot meines neuen Romans nachdenke.

Bist du mit deiner aktuellen Work/Life Balance zufrieden?

*hüstelhüstel* Welches ,life‘? ;-)
Also ich sag mal so: Mein Leben zurzeit unterscheidet sich natürlich ziemlich von meinem Leben vor den Kindern. Damals standen Tanzen gehen, Fitnessstudio, Inlineskaten, Kinoabende, stundenlanges Lesen in der Badewanne, gemütliche Abende vor dem Fernseher und Restaurantbesuchen mit Freunden auf dem Programm.
Das alles habe ich als frischgebackene Mutter sehr vermisst, doch seit ich mit dem Schreiben angefangen habe, bin ich im ganz im Gegenteil froh über jede zusätzliche freie Minute, die ich irgendwo aufgabeln kann.
Als sehr viel schlimmer empfinde ich vielmehr diese permanente Zerrissenheit, die Angst keiner meiner Aufgaben, vor allem nicht meinen Kindern, ganz gerecht zu werden. Wie gesagt: Mein Hang zum Perfektionismus. Schon deutlich besser geworden, aber immer noch nicht ganz überwunden ;-)

Bekommst du aus deinem Umfeld für deine Lebensentscheidungen 
Anerkennung und Zuspruch oder stößt dein Modell auch auf Kritik?

Meine Familie hat sich inzwischen zum Glück damit abgefunden, dass das Schreiben für mich mehr als nur ein spinnerter Zeitvertreib ist und versucht, mich nach Kräften zu unterstützen. Leider ist das aufgrund der großen Entfernung meist nur mental möglich.
Im Freundeskreis ernte ich inzwischen auch zunehmend staunende Kommentare. Doch da mein Leben sich tagsüber nach wie vor zum Großteil um meine Kinder dreht und das Hauptgesprächsthema auf dem Spielplatz nun einmal die großen und kleinen Sorgen von Müttern sind, wissen nur wenige meiner Bekannten von meiner Leidenschaft oder sie können ihr Ausmaß nicht einschätzen.

Woraus schöpft du Kraft und Energie? 

Vor allem aus Schmuseeinheiten mit meinen Kindern! Und aus all den „besonderen“ Momenten: Wenn mein Jüngster mich mit seinen wenigen Zähnchen anlacht und zum ersten Mal auf unsicheren Beinchen zu mir gewackelt kommt. Wenn meine Mittlere ihre Arme um mich legt und sagt: „Du bist die beste Mami der Welt“. Oder wenn mein Großer mir einen Witz zu erzählen versucht, der überhaupt nicht lustig ist, er sich aber trotzdem vor Lachen kugelt. Dann sind alle schlaflosen Nächte und jeder Stress vergessen!
Aber auch aus Musik ziehe ich Energie. Da reicht schon der Weg vom KiGa nach Hause aus, auf dem ich endlich mal anstelle von Rolfs Vogelhochzeit‘ das Radio einschalten kann. Nahezu jeder Song, der dann läuft, lädt mich wieder auf mit Ideen für mein neues Buch, mit Begeisterung für das Schreiben und dem Wunsch, sofort loslegen zu können.
Und nicht zuletzt schöpfe ich Kraft natürlich aus tollen Bewertungen meiner Bücher bei Amazon, Lovelybooks, Neobooks und Co. Ohne diese und den Kontakt mit begeisterten Lesern hätte ich wohl schon längst das Schreiben aufgegeben.

Hast du einen guten Ratschlag für Mütter, die mit dem Gedanken an ein Buchprojekt spielen?

Klar: Überlegt es euch gut! Wer einmal mit dem Schreiben angefangen hat, kann so schnell nicht mehr aufhören ;-)
Und solltet ihr doch immer noch mit diesem Gedanken spielen, lest euch erst einmal ein bisschen in die Schreibtheorie ein, um die gröbsten Anfängerfehler zu vermeiden.
Ich selbst habe das zwar erst getan, als ich fassungslos festgestellt hatte, dass sich nicht nur, wie eigentlich erwartet, drei oder vier Leser für mein Buch interessierten, sondern es in den Rängen nach oben schoss. Doch so ein klein bisserl vorbelastet war ich in dieser Hinsicht ja durchs Studium schon. Ja, dieses schreckliche Wort, das mit ,G‘ anfängt und mit ,ermanistik‘ aufhört ;-)
Befasst euch jedoch auch unbedingt damit, was alles noch neben und nach dem Schreiben auf euch zukommen wird und lest euch in Selfpublishing-Ratgeber ein.
Seid euch auch im Klaren darüber, dass als Selfpublisher das ganze Drumherum, inklusive Marketing, 50% der eigentlich fürs Schreiben angedachten Zeit ausmachen.
Und wenn ihr dann immer noch schreiben wollt: Tut es einfach! Lasst euch von niemandem drein- oder kleinreden!
Und was das eigentliche Schreiben angeht, da habe ich inzwischen alles Mögliche ausprobiert:
Bei meinem ersten Roman habe ich einfach wild drauflosgeschrieben, ohne zu wissen, was die nächste Szene bringen oder wie der Roman enden wird.
Bei meinem zweiten Roman stand das Ende von vornherein fest. Wild drauflos geschrieben habe ich trotzdem.
Und beim dritten stand seltsamerweise zuerst der Mittelteil, die dramatische Zuspitzung. Dann erst folgten der Anfang und Schluss. Doch auch hier habe ich mich einfach von meinen Gefühlen und meinen Gedanken tragen lassen.
Bei allen drei Romanen hat diese Vorgehensweise irgendwie Erfolg gehabt. Doch sie kostet sehr viel Zeit und Nerven, vor allem hinterher, im Lektorat, wenn dann so viele der ach so heißgeliebten Wörter wieder weggestrichen werden müssen, weil sie nicht dem roten Faden folgen. Das tut weh. Sind ja irgendwo auch alles meine Babys ;-)
Daher habe ich mein viertes Buch, an dem ich gerade schreibe, von Anfang bis Ende durchgeplottet, weiß genau, wann was in welcher Szene passiert. Theoretisch zumindest. Denn vieles ändert sich bei mir während des Schreibens dann doch wieder. Da verhalten sich die Personen plötzlich ganz anders, als ich mir das ursprünglich gedacht hatte. Andererseits finde ich immer, dass dies das beste Zeichen dafür ist, dass die Geschichte lebt.
Und wenn das Werk vollendet ist? Dann such ihr euch am besten eine gute Lektorin oder einen guten Lektor, der euer Werk auf den richtigen Kurs bringt. Familie, Freunde und Bekannte sind als Test- oder Korrekturleser denkbar ungeeignet, da sie in den wenigsten Fällen kritisch genug mit eurem Text umgehen werden.
Zu guter Letzt ist es jedoch auch sehr wichtig, zumindest meiner Ansicht nach, auch selbst viel zu lesen. Und da sind wir wieder beim leidigen Zeitproblem. Während ich früher dicke Wälzer in wenigen Tagen verschlang, so habe ich leider, seit ich selbst schreibe, so gut wie gar keine Zeit mehr, etwas nur zum Vergnügen zu lesen. Also zu meinem Vergnügen, nicht dem meiner Kinder ;-) Denn so richtig viel Vergnügen stellt sich bei mir nach der hundertsten Wiederholung ein und derselben Benjamin Blümchen Geschichte nicht mehr ein. Seufz. 
Welche Erfahrung möchtest du auf keinen Fall missen?

Dass ich meinen Mann getroffen, die drei wundervollsten Kinder der Welt (was sonst ;-)) zur Welt gebracht und mit dem Schreiben angefangen habe. 

Auf welche Erfahrung hättest du gerne verzichtet?

Auf keine. Auch nicht auf die negativen. Meine gesammelten Erfahrungen haben mich zu dem Menschen geformt, der ich heute bin. Und je mehr man erlebt hat, umso mehr Ideen hat man auch für seine Geschichten.

Wie sieht deine persönliche Zukunftsplanung aus?

Zunächst einmal werde ich meine verlängerte Elternzeit dazu nutzen, mit meinen schriftstellerischen Ambitionen möglichst weit zu kommen, um anschließend meinen Job als Lehrerin danach auszurichten. Im optimalen Fall würde ich nämlich gerne beides weiterverfolgen, aber mit stärkerer Gewichtung auf dem Schreiben.
Schließlich habe ich parallel zu meiner Heidelberg-Chick-Lit Reihe bereits mit einem zur Abwechslung einmal sehr dramatischen, in England spielenden Liebesroman begonnen. 
Außerdem habe ich mit 4 Autorenkolleginnen die Amor’s Five gegründet und als solche schreiben wir gemeinsam an einem fünfbändigen Liebesroman. Ein sehr spannendes Projekt.
Doch vor allem möchte ich so viel Zeit wie eben möglich mit meiner Familie verbringen und meinen Kindern mit auf den Weg geben, zu sich selbst zu stehen und sich für die Dinge, die ihnen wichtig sind, einzusetzen.

Welchen Schwierigkeiten sind wir Mütter deine Meinung nach in Deutschland im Bereich Vereinbarkeit ausgesetzt?

Es ist immer noch das altbekannte Problem der fehlenden und viel zu teuren Krippenplätze. Viele meiner Freundinnen haben ihre Kinder bereits zu Beginn der Schwangerschaft in sämtlichen umliegenden Kitas angemeldet und stehen auch nach einem Jahr immer noch erst auf Platz neunzig der Anmeldeliste. Für eine Anmeldung in anderen, zum Teil überdies weit entfernten Kitas, ist es dann aber meist schon zu spät.
Und sind schon die staatlichen Kitas teuer genug, kosten private Kitas so viel, dass es sich fast gar nicht mehr lohnt, überhaupt arbeiten zu gehen, zumal bei den oftmals gegebenen Betreuungszeiten auch der Kindergärten (unser KiGa schließt beispielsweise bereits um 14 Uhr) mehr als ein Halbtagsjob für die meisten Mütter ohnehin nicht drin ist.
Und dass das Betreuungsgeld für diejenigen Mütter, die sich – ob freiwillig oder notgedrungen – dafür entscheiden mit Kind zu Hause zu bleiben, nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, davon will ich gar nicht erst anfangen …

Welche zukünftigen Veränderungen wünschst du dir von Deutschland für die Zukunft deiner Kinder?

Vor allem wünsche ich mir, dass Betreuung und Bildung kostenlos sind, auch Musikschulen und ähnliche Freizeit- und Förderangebote. Dafür kann der Staat gerne das lächerliche Kindergeld behalten. Mein Ältester wird bald in die Schule kommen. Die fängt bei uns für Erstklässler erst um 8:30 Uhr an und endet um 12 Uhr. Die Betreuung davor und danach kostet. Und zwar nicht gerade wenig. Doch welche Mutter kann sich den Luxus leisten, nur von 9 bis um 11 Uhr auf der Arbeit zu sein?
Auch müssten Familien steuerlich in jeglicher Hinsicht viel stärker entlastet werden.
Früher war es so, dass wer Kinder hatte, im Alter gut versorgt war, weil diese sich um einen gekümmert haben. Wer keine Kinder hatte, war arm dran. Heute ist arm dran, wer Kinder hat, während der Kinderlose gut versorgt ist. Wir Mütter investieren Zeit und Geld in unsere Kinder und ihre Ausbildung, doch wenn diese einmal erwachsen sind, werden viele von uns Müttern von Altersarmut bedroht sein. Denn obwohl wir einen wichtigen Beitrag zum Erhalt des Rentensystems leisten, können wir später selbst kaum eigene Rente erwarten. Wer jahrelang zu Hause bleibt und Kinder erzieht, wird später im Alter bitter dafür bestraft.
Kinderlose hingegen können Vollzeit arbeiten gehen, ihr Leben lang gut verdienen, ihren Verdienst nur für sich verwenden, ohne ihn auf sich und ihre Kinder aufteilen zu müssen, und werden dafür im Rentenalter auch noch belohnt, obwohl sie keinen Beitrag zum Generationenvertrag geleistet haben. Das ist ein Schlag ins Gesicht einer jeden Mutter.
Außerdem sollte es anstelle des Ehegattensplittings ein Familiensplitting geben. Die Grundlage für eine Steuerbegünstigung kann nicht die Ehe oder eine Lebenspartnerschaft an sich sein! Ehe- oder Lebenspartner, die beide Vollzeit arbeiten gehen und keine Kinder haben, haben ohnehin mehr Geld zur Verfügung, während Familien unter Umständen an allen Ecken und Enden sparen müssen, aber dennoch dafür sorgen, dass die Rente der Kinderlosen gesichert ist.
Und wieso in Deutschland Tiernahrung mit einem verminderten Steuersatz besteuert wird, aber Babynahrung mit 19 %, sagt eigentlich schon alles darüber aus, welche Bedeutung Kindern in diesem Land beigemessen wird. Sämtliche Babynahrung und Babydrogerieprodukte sollten nur mit dem verminderten Satz besteuert werden.
Ich hoffe wirklich sehr, dass wir Mütter es schaffen, in Deutschland in den nächsten Jahren einen Bewusstseinswandel hin zu deutlich mehr Familienfreundlichkeit herbeizuführen!


Ich danke Emma von Herzen für dieses spannende und sehr unterhaltsame Interview und ihre Denksanstösse!
Wenn ihr Lust habt, ihren Werdegang weiter zu verfolgen, könnt ihr euch über ihre Homepage
www.emma-wagner.de oder ihr Facebook-Seite auf dem Laufenden halten (hier postet sie auch sehr lustige Anekdoten aus ihrem Familienalltag): 
https://www.facebook.com/AutorinEmmaWagner


Ihre Bücher sind hier erhältlich:


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