Mittwoch, 18. Juni 2014

"Mutige Mütter" Mittwoch Teil 7

70% aller Mütter mit Kindern unter 15 Jahren sind in Deutschland berufstätig.
Etliche sind unzufrieden, unterbezahlt und ihre Tätigkeit zapft noch nicht mal ihr Potenzial an.
Viele Arbeitgeber bieten Teilzeitkräften keine Möglichkeit, sich zu entfalten oder weiterzuentwickeln.
Mamas Lifestyle stellt euch nun jeden Mittwoch eine beeindruckende Mutter vor, die es geschafft hat ihre eigenen Ideen und Träume zu verwirklichen. Diese mutigen Frauen beweisen, dass es niemals zu spät ist, ein Projekt zu starten, für das man mit Leidenschaft brennt.



Heute im Interview: Ulrike Loth und Inga Sarrazin


"...die Freude und der Elan für das eigene Konzept ermöglichen vieles, was man sich vorher nicht zugetraut hätte."
 
Ulrike Loth und Inga Sarrazin sitzen gemeinsam auf einer schwarzen Couch und lächeln freundlich in die Kamera.


Die Berlinerin Ulrike Loth ist 28, verheiratet und Mutter einer 2jährigen Tochter. Nach ihrem Studium (Werbung und Marktkommunikation) arbeitete und lebte sie in Berlin, Stuttgart, New York und Ecuador. 
Inga Sarrazin, 36 Jahre alt, ebenfalls verheiratet und Mutter zweier Zwillingsmädchen (2,5 Jahre) studierte erst Lebensmitteltechnologie und arbeitete anschließend 10 Jahre lang als Abteilungsleiterin für Mikrobiologie und Allergenanalytik in einem Lebensmittelanalyselabor.
Wie sich die Wege dieser beiden Frauen kreuzten und wie es dazu kam, dass die beiden sich im August 2013 gemeinsam mit einer neuen Serviceidee für schwangere Frauen, werdende Väter und  frischgebackenen Familien selbstständig machten, erzählen die beiden heute auf Mamas Lifestyle im Interview.
Die Gründerinnen des ersten Schwangerschafts-Concierge und Baby Planners “maternita” in Berlin erzählen bewundernswert offen und ehrlich aus ihrem Leben, von ihren Erfahrungen im Beruf vor und nach der Familiengründung, von Veränderungen, Ängsten und Durchhaltevermögen. Und sie haben ein paar handfeste Tipps für Gründerinnen (und solche die es werden wollen) im Gepäck.


Eure Töchter sind ja ungefähr im selben Alter. Erzählt doch mal, wie sah euer Leben vor ca. 3,5 Jahren aus bevor es an die Familiengründung ging?

Inga: Vor der Geburt meiner Kinder habe ich als wissenschaftliche Angestellte in einem Lebensmittelanalyselabor gearbeitet. Ich war beruflich stark eingespannt und engagiert, öfter auf Geschäftsreisen für Kundenschulungen oder auf Tagungen vertreten. In meiner Freizeit fiel es mir teilweise schwer abzuschalten, da kam mir mein Mann, regelmäßiger Sport und meine Nichte sehr zu Hilfe. Mein Mann und ich sind im Urlaub gerne in andere Länder gefahren, um den Alltag zu Hause zulassen und andere Menschen, Kulturen und Sprachen kennenzulernen. Kurz vor meiner Schwangerschaft waren wir glücklicherweise noch einen Monat mit einem Caravan in Australien unterwegs und haben uns einfach treiben lassen und das Land entdeckt.
Ulrike: Ich habe gerade wieder mit dem Studieren angefangen, zwar mit dem Hintergedanken eine Familie zu gründen aber trotzdem noch mit Auslandssemesterplänen und dem großen Traum einmal bei der UN zu arbeiten. Davor war ich in der PR tätig, habe an den unterschiedlichsten Orten gelebt u.a. auch in New York und Ecuador. Die Welt war für mich nie zu groß und mein Fernweh ein dauerhafter Begleiter.

Ward ihr zufrieden mit euren Jobs? Welche Pläne und Vorstellungen hattet ihr vor der Schwangerschaft von eurem Berufsleben mit Kind(ern)?


Inga: Der Inhalt meiner Arbeit hat mir unglaublich viel Spaß gemacht. Wissenschaftliches Arbeiten im Bereich der DNA Analytik von Lebensmitteln fand und finde ich sehr spannend, da Lebensmittel zu unserem Alltag gehören. Ich habe immer viel Elan, Energie und Fleiß in die Arbeit eingebracht, allerdings wurde dies, wie in vielen Firmen, wenig gewürdigt, viel als "normal" erachtet und die wichtige Motivation der Mitarbeiter stark unterschätzt und zu wenig gefördert. Mir war bewusst, dass sich ab dem Zeitpunkt zu dem ich Kinder haben würde mein Fokus verschiebt und die teilweise berufliche Unzufriedenheit dazu führt, mein altes berufliches Muster zu durchbrechen und einen Schritt in eine andere berufliche Richtung zu nehmen. Wie genau dies aussehen sollte, war mir nicht klar. Dass sich beruflich für mich etwas ändern musste, jedoch um so mehr.
Ulrike: Ganz ehrlich? Ich war schon recht unglücklich. Die PR an sich hat mir zwar Spaß gemacht aber die letzten Stellen waren nie, das was ich mir versprochen hatte. Ich glaube, ich war zu dem Zeitpunkt auch nicht der beste Mitarbeiter. Ich war noch sehr jung und hin und her gerissen zwischen dem Drang zu lernen auf der einen Seite und dem Drang alles selbst machen zu wollen auf der anderen Seite. Das stieß nicht immer auf gute Resonanz. Ich wäre gerne wieder in die Krisenkommunkation gegangen, aber als Berufseinsteiger war der Jobmarkt 2009 auch kein Wunschkonzert und als ich mich damals für einen Job in Deutschland und gegen einen in Indien entschied, war klar, wenn hier dann nur in Berlin. Das schränkte enorm ein.


Welche Aspekte haben euch an der Elternschaft positiv wie negativ überrascht?


Inga: Obwohl ich im Vorhinein viel mit meiner Nichte unternommen habe und sie oft bei uns geschlafen hat, war mir nicht klar was es bedeutet eigene Kinder zu haben. Diese unvoreingenommene Liebe, diese tiefe Bindung, die Existenz dieses tiefen Muttergefühls und die Selbstverständlichkeit mit der Frau und Mann die eigenen Kinder vollständig in ihr Leben und es einmal umkrempeln lassen, haben mich doch überrascht. Ich glaube es ist nicht möglich, solche Gefühle im Vorhinein abzuschätzen. Ich hatte auch wirklich keine Idee davon, wie sehr einen Kinder tagtäglich beanspruchen können, wie viel Energie und Durchhaltevermögen man benötigt, welche Sorgen einen beschäftigen und teilweise quälen und wie schwer es sein kann sich selbst
als Frau wieder zu entdecken und damit sich und den Kindern ein kleines Stück Freiheit zu geben. Dies ist ein ständiger Prozess, der mir in einigen Situation leichter, in anderen schwerer fällt. Irgendwie bleiben diese Wesen immer deine kleinen Babies.

Ulrike: Ich habe vorher viel babygesittet, war Aupair von drei kleinen Kindern, eines davon mit Down Syndrom. Ich wusste was Kinder für ein Aufwand sind, wie man Windeln wechselt und kannte vorher schon die Wäscheberge. Ich habe mich seit ich denken kann auf die Schwangerschaft gefreut (endlich Bauch rausstrecken ohne schlechtes Gewissen) und war der festen Überzeugung, Kinderkriegen sei voll mein Ding. Dass ich eine unsichere, überängstliche und gestresste Schwangere werde hätte ich nie gedacht, dass das Stillen für mich ein Kampf wird und gar nicht so selbstverständlich funktioniert hat mich überrascht und dass ich meine Tochter so konditionslos liebe dass es mich manchmal erdrückt, überfordert mich noch heute manchmal.
Zu welchem Zeitpunkt habt ihr euch entschieden, wieder ins Berufsleben zurückzukehren und mit welchem Vorhaben?

Inga: Mit dem Wissen, dass ich Zwillinge bekommen würde war mir klar, dass ich zwei Jahre zu Hause bleiben würde. Da meine Kinder Frühchen waren, hätte ein Jahr tatsächlich für uns Drei nicht ausgereicht. Wir waren noch nicht bereit für Beruf und Kita. Als die Beiden 18 Monate alt waren, fingen die Gedanken zu meinem weiteren beruflichen Werdegang an. Durch meine Erfahrungen als Frühchen- und Zwillingsmutter merkte ich, dass es für Frauen in ähnlichen Situationen viel zu wenig praktische Hilfe gibt. Man ist, ab der Entlassung aus dem Krankenhaus, oft auf sich alleine gestellt, hat gerade zu Anfang keine Zeit sich im Internet zu informieren oder in Krabbelgruppen zu gehen, um sich auszutauschen und Tipps zu holen. Daher wuchs in mir die Idee, Frauen in diesen Fragen Unterstützung anbieten zu wollen und meine Erfahrungen weiterzugeben.
Ulrike: Ich dachte eigentlich, dass ich nach dem Studium wieder in das Berufsleben einsteige, dann ist meine Tochter auch alt genug für die Kita. Alles also ganz entspannt. Dass ich schon 2 Monate nach der Geburt so viel Motivation und Energie für eine Geschäftsidee hingelegt habe, das erstaunt mich im Nachhinein schon. Es überkam mich also mehr oder weniger und so habe ich das Jahr nach der Geburt studiert, die Elternzeit mit meinem Mann geteilt, eine Ausbildung zur Mediatorin gemacht (weil ich ja eigentlich mal im Bereich internationaler Beziehungen arbeiten wollte) und maternita, damals noch Miss Poppins, aus der Taufe gehoben. Allerdings haben wir uns mit der Vorgründungsphase lange Zeit gelassen.

Wie habt ihr euch kennengelernt? Was hat euch dazu bewogen, euch beruflich zusammen zuschließen?


Inga: Zufälligerweise fand ich in der Zeit des beruflichen Umdenkens einen Artikel von Ulrike in der Zeitschrift Eltern, in dem Sie das Konzept von maternita (damals noch Miss Poppins) vorstellte. Ich war sofort begeistert von der Idee und überglücklich, dass diese Art von Service auch noch in Berlin angeboten wurde. Nach einer Woche ringen mit mir selbst, habe ich Ulrike eine sehr persönliche Email geschrieben und sie gefragt, ob sie sich vorstellen könnte mich in ihr Team aufzunehmen. Und da saßen wir nun einige Tage später zusammen in einem Berliner Cafe und irgendwie hat von Beginn an die Chemie zwischen uns gestimmt.
Ulrike: Ich wusste, dass mir alleine mit kleinem Kind auf lange Sicht das Durchhaltevermögen fehlt. Da kam Inga genau zum richtigen Zeitpunkt in mein Leben spaziert.


Wie sahen eure ersten Schritte in Richtung Selbstständigkeit aus? Ließen sich alle Pläne realisieren?


Ulrike: Ich habe einfach losgelegt, eine (damals furchtbar hässliche) Internetseite mit Hilfe eines sehr geduldigen Freundes gebastelt, fleißig Texte geschrieben, einen Blog gestartet und erste Unterlagen erstellt. Das war aber alles wenig strukturiert. Ich wusste jedoch, wenn ich zwischendrin ins Grübeln gerate und mich von all den Hürden (Marke, Unternehmensform, Verträge, Pricing etc) abschrecken lasse, dann gebe ich schnell wieder auf. Ich habe nachts beim Stillen recherchiert und in den Schlafpausen des Kindes gearbeitet. Als ich wieder mit dem Studium weitermachte wurde es etwas schwieriger. Zum Glück wurde ich in meiner Uni geförderte und habe ein Vorgründungstipendium erhalten. Als Inga dann dazu kam haben wir noch einmal ordentlich Struktur und Ordnung in die Unterlagen und unsere Projekte gebracht. Mittlerweile haben wir uns professionalisiert. Alles hat seine Ordnung und ein gutes Qualitätsmanagement steckt hinter unserer Arbeit. Wir stecken noch bis zum Hals in Arbeit, haben viel zu viele Ideen und viel zu wenig Zeit und Manpower. Dieser Prozess war uns aber klar und mit maternita eröffnen sich tolle neue Partnerschaften und Projekte von denen wir uns täglich motivieren und inspirieren lassen. Realisiert ist aber noch lange nicht alles!

Was bietet maternita seinen Kunden?


Ulrike: Objektive, individuelle und neutrale Beratung und Begleitung für werdende und wachsende Familien. Unser Ziel ist, dass Frauen durch unseren Service in der Schwangerschaft und mit kleinem Baby in ihren individuellen Entscheidungen bestärkt werden und so langfristig noch genauso wettbewerbsfähig im Beruf sind und genauso aktiv in ihrer bisherigen Lebensgestaltung sein können.
Inga: Jede Familie ist anders, hat einen anderen finanziellen Hintergrund, verschiedene Vorstellungen vom Leben mit Kindern, benötigt mehr oder weniger Informationen, Unterstützung usw. Unser Ansatz ist jede werdende Familie dort abzuholen wo sie sich befinden. Die Eine benötigt jemanden der einen roten Faden durch die vielen Themengebiete in der Zeit der Schwangerschaft und mit Baby aufzeigt (Welcher Kurs passt zu mir? Wann muss ich wo was beantragen? "Windelfrei" ja oder nein? Welche lokalen Angebote gibt es? ...). Andere Frauen möchten, dass wir sie unterstützen bei der Suche und Beantragung nach einer
Mütterpflegerin für die Zeit des Wochenbettes. Wieder andere brauchen jemanden der ihnen nur ein paar Tipps zum Thema Kindersicherheit zu Hause oder unterwegs gibt (Welche Produkte gibt es? Auf welche Standards sollte ich achten? Was brauche ich und auf was kann ich verzichten?). Also bieten wir zu allen nicht medizinische Themen eine praktische Hilfe je nach Bedarf, Interessenslage und Situation.


Was hat euch bislang die größten Schwierigkeiten, was die größte Freude bereitet seit der Gründung eures Unternehmens?

Inga: Gerade zu Beginn gab es das Problem mit der Namensgebung. Ein auf dem Markt bekanntes Franchiseunternehmen hatte einen ähnlichen Namen und hat seinen Markenanspruch geltend gemacht. Da von Unternehmensseite keine Einigung in Sicht war, mussten wir uns einen neuen Namen überlegen und alle bis zu diesem Zeitpunkt entwickelten Unterlagen, das Logo etc. neu aufstellen. Im Nachhinein betrachtet war dies für uns ein Glücksfall, da wir so gemeinsam als Team den Service und die Idee neu entwickelt haben und maternita unser gemeinsames Wunschprojekt ist.
Ulrike: Unser Geschäftskonzept müssen wir jedes Mal aufs Neue erklären. Da dieses Berufsfeld erst mit uns in Deutschland eingezogen ist, fangen wir immer wieder bei Adam und Eva an. Das versuchen wir jetzt mit unserer Baby Planner ACADEMY zu ändern mit der wir zukünftige Baby Planner deutschlandweit qualifizieren. In Deutschland ist auch der Servicegedanke noch nicht so verwurzelt wie in anderen Ländern. Die Frauen wollen am liebsten alles selbst machen und trauen sich oft nicht nach Hilfe zu fragen aus Angst schlecht da zu stehen. Letztendlich ist es aber so, dass, einmal richtig erklärt, die Resonanz sehr positiv ausfällt. Ich persönlich stehe seit der Gründung meistens mit Lust und Freude an meiner Arbeit auf und mit dem Wissen, dass ich meine Tochter pünktlich von der Kita abholen kann und auch ohne schlechtes Gewissen bei ihr sein kann wenn sie krank ist. Das ist einfach Gold wert!


Wie organisiert ihr euren Alltag? Wieviel Arbeit fällt an?

Inga: Seit zwei Monaten haben wir uns einem Coworkingspace angeschlossen, in dem wir uns regelmäßig treffen und zusammen arbeiten. Meist ist es jedoch so, dass wir Kunden zu Hause oder Netzwerkkontakte außerhalb treffen. Bei Kindkrankphasen haben wir zum Glück die Möglichkeit viele Dinge abends oder am Wochenende zu bearbeiten. Da sich bei uns ja viel um die Organisation und Information dreht, kann man dies auch per Computer in die Wege leiten. Der Zeitaufwand wird häufig gerade von Kundinnen unterschätzt. Besonders behördliche Dinge benötigen doch viel Zeit und da wir bemüht sind auf jede Kundin individuell einzugehen, braucht dies auch oft individuelle Recherche.
Ulrike: Mehr als wir Zeit haben! Wir sind aber zum Glück flexibel und nicht alleine. Ausfallzeiten können wir untereinander gut auffangen. Häufig arbeiten wir aber auch abends und am Wochenende. Es ist nicht weniger als bei einer Festanstellung, ganz im Gegenteil. Man arbeitet eben selbst und ständig
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Auf welche Unterstützung von außen seid ihr angewiesen, um allen beruflichen und privaten Bereichen nach euren Vorstellungen gerecht werden zu können?

Inga: Ohne meinen Mann würde das ganze Familie-und Berufskonzept in dieser Art nicht funktionieren. Wir wechseln uns zum Beispiel jeden Tag ab. Der eine bringt zur Kita, der andere holt die Kinder ab. Seit kurzem habe ich mir auch eine Haushaltshilfe zur Unterstützung geholt, da die freie Zeit, die ich habe, mir wirklich viel zu kostbar ist, um diese mit Staubwischen zu verbringen. Die Wäscheberge reichen mir schon vollständig aus.
Ulrike: Ganz klar mein Mann! Er ist auch selbstständig und so können wir uns um unsere Tochter herumorganisieren. Außerdem motiviert er mich, wenn ich mal ein Tief habe. Auch unsere Freunde und Nachbarn helfen mal aus. Da wir keine Familie in Berlin haben, bin ich doppelt froh mich auf so ein tolles Umfeld verlassen zu können.


Welche Vorteile und Nachteile bringt eure Selbstständigkeit mit sich im Vergleich zur klassischen Anstellung?

Inga: Ich bin ein absoluter Teamplayer und finde es wunderschön in einer gut funktionierenden und ehrlichen Partnerschaft zu arbeiten. Ulrike und ich ergänzen und motivieren uns wunderbar und können in jeder Situation Verständnis für den Anderen aufbringen. Dies ist mir in der Art in einem Arbeitsverhältnis noch nicht untergekommen. Natürlich ist die Selbstständigkeit, das Netzwerken, das Akquirieren von Kunden geprägt von Durchhaltevermögen, Unsicherheiten und viel viel Arbeit, aber die Freude und der Elan für das eigene Konzept ermöglichen vieles, was man sich vorher nicht zugetraut hätte.
Ulrike: Das selbstbestimmte und flexible Arbeiten möchte ich nicht missen. Besonders solange meine Tochter noch klein und die Familienplanung noch nicht abgeschlossen ist. Dagegen sprechen, wie Inga schon sagt, die Unsicherheit. Man kann sich, nicht wie bei einer Festanstellung, an einem schlechten Tag einfach mal ausklingen oder langsamer machen. Der Erfolg hängt ganz eng mit unserem persönlichen Einsatz zusammen. Und wenn wir mal krank sind, können wir uns nicht einfach krank melden, oder Urlaub machen, sondern müssen alles Liegengebliebene irgendwie wieder aufholen. Auch Feiertage und Wochenende sind für uns nicht automatisch freie Tage.


Habt ihr schon die für euch optimale Balance zwischen Arbeit und Familienleben gefunden? Wenn ja, habt ihr Tipps?


Ulrike: Ich habe für mich die Erfahrung gemacht, dass nicht die Menge an Arbeit sondern die zeitliche Flexibilität entscheidend ist. Ich kann meine 40 oder sogar 50 Stunden arbeiten, aber eben so, dass ich ohne schlechtes Gewissen auch Zeit mit meinem Kind verbringen kann. Ich denke auch dass genau das der Schlüssel zu einem familienfreundlichen Arbeitsumfeld ist.
Inga: Die optimale Balance werde ich wohl nie finden. Jeder Tag ist anders und manchmal denke ich super heute hast Du sowohl viel abgearbeitet als auch "bewusste" Zeit für dich und deine Familie gehabt. An anderen Tagen habe ich das Gefühl ich schaffe nichts, werde der Arbeit, mir und meiner Familie nicht gerecht. Aber in Summe bin ich glücklich und zufrieden und ohne Tage wo man nichts schafft, gibt es auch keine Tage an denen man das Gefühl hat egal was kommt es ist alles zu händeln.
Auf jeden Fall ist mein Tipp nicht nur im Bereich Familie und Beruf alles besonders gut machen zu wollen, sondern ebenfalls auf sich und seine Bedürfnisse zu achten. Zwischendurch mal ein gutes Buch, Sport oder in die Luftgucken, mit Freunden treffen sind Dinge die vieles ausgleichen. Nur wenn das eigene "Gutgefühl" vorhanden ist, kann man dies an sein Umfeld vermitteln.


Welche Ziele habt ihr euch für die Zukunft beruflich wie privat gesteckt?


Ulrike: Wir wollen uns auf jedenfall mit maternita 3 Jahre Zeit geben. Wir wünschen uns, dass der Beruf des Baby Planners irgendwann so bekannt wird, dass wir nicht ständig Vorurteile aus dem Weg räumen müssen. Wir hoffen, dass zukünftig Krankenhäuser unseren Service für ihre PatientInnen anbieten und Unternehmen verstehen, welchen Mehrwert unsere Dienstleistung für ihre Mitarbeiter haben kann. Wir wünschen uns, dass dem Thema Familiengründung von den Frauen selbst, aber auch von deren Umfeld mit weniger Sorge und Angst vor Einschränkung begegnet werden kann. Persönlich fände ich es schön, langfristig davon gut leben zu können und meinen Kindern zeigen zu können, zu welcher Leistung eine Mama  in der Lage ist.
Inga: Ich wollte immer so arbeiten, dass (obwohl es um das Geldverdienen geht) möglichst viel Freude daran gekoppelt ist. Mit maternita sind wir da auf einem guten Weg. Ich habe noch einige Themen in denen ich mich gerne weiterbilden würde, ob Ernährungs- oder Trageberatung es gibt noch einiges auf dem beruflichen Zettel. Privat wünsche ich mir, dass mein Mann und ich bei all der Selbstverwirklichung einfach kleine-große, glückliche und selbstsichere Kinder in diese Welt entlassen können. Der Rest ist Zugabe.


Gibt es einen guten Rat, den ihr anderen Müttern mit einer guten Geschäftsidee gerne mit auf den Weg geben würdet?


Inga: Wir haben immer versucht auf unser Bauchgefühl zu hören. Egal ob bei der Wahl von Kooperationspartnern oder bei der Entscheidung externe Finanzierung ja oder nein. Bisher konnten wir uns darauf verlassen und haben gemeinsam Entscheidungen getroffen, die wir auch heute mit gutem Gefühl vertreten können.
Ulrike: Denkt nicht zu viel drüber nach. Traut Euch! Sucht Mitstreiterinnen (z.B. auf niesolo.de) und testet Eure Idee bei Freunden und in der Familie. Redet darüber, vernetzt Euch und habt keine Angst, zu scheitern. Und wenn ihr Euch unsicher seid, dann sucht nach einem Weg, der euch trotzdem die Sicherheit bietet, wie z.B. anfänglicher Teilzeit und Selbstständigkeit als Nebenerwerb. Selbst wenn es nicht klappt habt ihr etwas Großartiges und Mutiges gemacht auf das ihr stolz sein könnt. 


Vielen Dank für das spannende Interview und eure Offenheit! Ich wünsche euch viel Erfolg bei der Realisierung aller Pläne, privat wie beruflich!

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