Freitag, 9. Mai 2014

Türkische Kuriositäten

Sonnenuntergang suf Istanbuls Straßen
10 Tage sind nun vergangen, seit wir endgültig in Istanbul leben. Kein Wohnsitz mehr in Deutschland, das ist schon ein merkwürdiges Gefühl. Noch haben wir so viel zu tun, dass wenig Zeit bleibt, über die Veränderungen eingehend nachzudenken. Nach 1,5 Wochen sind uns jedoch einige Kuriositäten aufgefallen, die ich euch nicht vorenthalten möchte:

1. Türkische Elektriker
"no risk, no fun", das ist ihr Motto. Unser Elektriker muss einer der Besten sein. Wie sonst sollte er es überleben, jeden Tag seiner Arbeit nachzugehen, ohne vorher den Strom abzudrehen?

2. "bugün"
dieses Wort wird im  Wörterbuch mit "heute" übersetzt. Allerdings sollte man sich dadurch nicht in die Irre führen lassen. Handwerker, Lieferanten, Freunde... jeder benutzt dieses Wort sehr frei und flexibel. "Bugün" kann also auch mal morgen, übermorgen oder unter Umständen nie bedeuten. Würde man sich nach deutschem Verständnis auf "bugün" verlassen, müsste man den ganzen Tag umsonst in der Wohnung sitzen. Wartend auf die Lieferung eines Kleiderschranks, die Verabredung zum Abendessen oder den Rückruf der Bank.

3. Sing Halleluja!
Die (muslimische?!) Schule in der Nachbarschaft hat eine laute Pausenglocke, die in regelmäßigen Abständen erklingt. Die Melodie erscheint uns etwas dubios: "We wish you a merry Christmas".

4. Zu Hause ist es doch am Schönsten
Falls man den Anfängerfehler begeht, sich doch mal auf "bugün" zu verlassen (siehe 2.), kann man sich sorglos 12 Stunden auf seinem Sofa platzieren und sich bequem alles nach Hause bestellen, was das Herz begehrt. Von McDonalds über die Apotheke bis zum  Supermarkt an der Ecke, einfach jeder liefert gerne und schnell. Ein Anruf genügt und 10 Minuten später steht ein Halbwüchsiger freudestrahlend vor der Tür, um einem einen Liter Milch oder Ähnliches vorbeizubringen. Das Gegenteil also der uns sonst so vertrauten "Servicewüste".

5. Kinderbetreuung
Einige Gehminuten unserer Wohnung entfernt  findet sich nicht ein Kindergarten, auch nicht zwei oder drei. Über den Daumen gepeilt müssten es ca. 20 bis 30 Stück sein, alle hübsch aneinander gereiht volle 2 Strassen lang. Einen haben wir uns bis jetzt angesehen. Öffnungszeiten: 7.00h bis 19.30h. Völlig normal in Istanbul. Bring- und Holzeiten? Ganz egal, wann immer man möchte. Für einen Preis von umgerechnet 230€ im Monat kann man die vollen Öffnungszeiten in Anspruch nehmen. 4 üppige Mahlzeiten täglich inbegriffen sind ebenso selbstverständlich wie Englisch- und Musikunterricht.

6. Kiss me
Kinder werden hier nicht nur gemocht, auch nicht geliebt. Sie werden regelrecht vergöttert. Und so sitzt man schon mal auf der Polizeistation wegen der Aufenthaltspapiere während die Beamtin über den Schreibtisch hinweg unseren Zwerg mit Eis füttert. Die mürrischen Herren in Uniform, die unsere Wege kreuzen, schmelzen beim Anblick kleiner Pampers-Rocker dahin. So kommt es, dass die bewaffnete Staatsgewalt Süßigkeiten aus den Jackentaschen zaubert und Küsse auf kleine Stirnen verteilt.


Kommentare:

  1. Ich habe sehr gelacht und auch gestaunt, besonders, was Serviceverständnis und Kindergärten betrifft. Danke für diesen (exotischen) Einblick in euer neues Leben! Liebste Grüße, Valérie

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    1. Ja in einigen Punkten könnten wir Deutschen uns eine Scheibe abschneiden. Kiga-Wartelisten sind übrigens auch gänzlich unbekannt. Auf die Frage, wie lange im Voraus ich den Zwerg anmelden müsse, wurde sehr irritiert reagiert. Man könne bei Gefallen einfach anrufen und das Kind am nächsten Tag bringen :-))

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  2. Danke für diese Einblicke und dass wir alle hier ein bißchen miterleben dürfen, wie es ist, in Istanbul zu wohnen.
    Ich bin schon gespannt auf die nächsten Berichte.
    Liebe Grüße,
    Ilse

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  3. und die folgen ganz bestimmt...hier gibt's Blog-Futter ohne Ende ;-)

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  4. Wie toll, habe sehr geschmunzelt :-)) Bin schon auf weitere News gespannt. Alles Gute Euch!

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  5. 6. gefällt mir besonders gut. Haben wir in Italien schon so ähnlich erlebt. ;)

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  6. Hallo Sarah, dies ist ein wunderbarer Blog. Wir leben seit ca. 9 Jahren mit unseren beiden Kindern in der Türkei und haben in etwa die gleichen Erfahrungen gemacht. Du schreibst so spannend, ich würde an deiner Stelle doch glatt ein Buch schreiben ;-) Viele Grüsse Eberhard

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    1. Vielen Dank :-)
      Das mit dem Buch wird eines Tages ganz bestimmt in Angriff genommen.
      Spätestens, wenn die Kinder so groß sind, dass es "uncool" wird, mit mir zu spielen und ich bis dahin gar nicht mehr weiss, was ich plötzlich mit der freien Zeit anfangen soll ;-).

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