Mittwoch, 7. Mai 2014

"Mutige Mütter" Mittwoch Teil 6

70% aller Mütter mit Kindern unter 15 Jahren sind in Deutschland berufstätig.
Etliche sind unzufrieden, unterbezahlt und ihre Tätigkeit zapft noch nicht mal ihr Potenzial an.
Viele Arbeitgeber bieten Teilzeitkräften keine Möglichkeit, sich zu entfalten oder weiterzuentwickeln.
Mamas Lifestyle stellt euch nun jeden Mittwoch eine beeindruckende Mutter vor, die es geschafft hat ihre eigenen Ideen und Träume zu verwirklichen. Diese mutigen Frauen beweisen, dass es niemals zu spät ist, ein Projekt zu starten, für das man mit Leidenschaft brennt.



Heute im Interview: Béa Beste

"Die Idee von Work-Life-Balance finde ich blöd. Ich lebe doch immer, auch wenn ich arbeite!"

 


Béa Beste sitzt lachend auf einer Mauer und hält die Tollabox in der Hand

Béa Beste ist in Rumänien geboren, hat nach der Geburt ihrer Tochter Kommunikation an der UdK in Berlin studiert und bei Sat1 und der Boston Consulting Group gearbeitet. 2005 gründete sie die bilingualen Phorms-Schulen. Nach 6 Jahren als CEO ging sie 2011 auf Bildungsexpedition durch Indonesien, Australien, Indien und die USA. Inspiriert von internationalen Bildungsinnovationen entwickelte sie das Playducation-Konzept: Was wäre, wenn sich lernen wie spielen anfühlt? Daraus  entstand die Idee der Tollabox! Damit möchte Béa mehr Heiterkeit ins Lernen bringen. 

Béa berichtet im Interview über ihre außergewöhnlichen Erfahrungen, Sinn und Leidenschaft und ihr Leben als Mutter, Vollzeitberufstätige und Mensch, der sich gerne weiterentwickelt. Interessante Antworten einer faszinierenden Frau, die mit ihrer Ausstrahlung schon vor Freude sprüht:


Viele junge Frauen scheuen mittlerweile die Familienplanung, da sie Sorge um ihr berufliches Weiterkommen haben. Du selbst hast deine Tochter mit 21 Jahren bekommen. Wie ging es hinterher beruflich weiter?
 

Die Schwangerschaft hat mich damals gezwungen, mich genauer zu fragen, was ich wirklich wollte. Ich steckte in einem Studium, das mich nicht erfüllte, trotz sehr guten Prüfungsergebnissen. Ich habe mal richtig nachgedacht, was ich wirklich machen will und kam zu dem Schluss: Nur etwas, was ich auch mit Leidenschaft mache, kann ich dann auch mit Kind weitermachen… Ich habe mich daraufhin für ein Kommunikationsstudium an der UdK Berlin entschieden, noch im Studium einen Trendforschungsmonitor für eine Werbeagentur auf die Beine gestellt und dann bei SAT.1 als Produktmanager gearbeitet. Einige Jahre später bekam ich die Gelegenheit, bei der Boston Consulting Group zu arbeiten - wo es immer hieß: “Studienabbrecher, no way”. “Beratung mit Kind, no way.” Da war ein Way. Ich gehe irgendwie schon gerne No-way-Wege... 

 

 2005 gründetest du diverse Schulen. Wie kam es zu dieser Idee?

 
Ich habe damals bei einem Unternehmerkongress den Biotech-Unternehmer Alexander Olek kennengelernt und er hat mich überzeugt, zusammen mit ihm Schulen zu gründen. 

 

Von der Idee bis zur Realisierung ist es ja oft ein langer Weg. Wie war das bei dir? Auf welche Unterstützung warst du angewiesen und welche Hürden musstest du nehmen?

 
Am genialsten war es, dass sich so viele Menschen von dieser Schulidee haben anstecken lassen: Ein ganzes Gründerteam, Lehrer, Eltern… Phorms ist als Teamleistung entstanden. Wir waren zusammen wie im Flow. Die zwei größten Hürden beim Schulaufbau sind:
1. Das passende Gebäude zu finden: Als Schule im Aufbau braucht man am Anfang wenig Raum, später ganz viel. Ein Gebäude zu finden, das “mitwächst” und bezahlbar ist, das die richtige Lage, gute Anbindung und Sportmöglichkeiten hat… ist Mission Almost Impossible.
2. Jedes Bundesland hat Schulgesetze. Die sind nicht gleich. Und in jedem Bundesland gibt es ein Schulgesetz, wie es geschrieben wurde. Und noch ein Schulgesetz, wie es interpretiert und gelebt wird. Das musste ich erst raffen.

 

Welche positiven und negativen Erfahrungen hast du aus deiner Zeit als CEO der Phorms Schulen mit Schülern, Lehrern, Eltern und Politik mitgenommen?


Hast du mal 2-3 Tage Zeit, dann erzähle ich sie dir… Im Ernst: Das sind so viele!!! In jeder Hinsicht. Ich möchte diese Erfahrung in meinem Leben nicht missen - es war eine geniale Zeit.


Nach 6 Jahren als CEO hast du dich dafür entschieden, auf Bildungsreise zu gehen und Konzepte aus aller Welt zu entdecken. Was war der Grund für deine Entscheidung?
 

Phorms war größer geworden und der Wachstumskurs ist (siehe Hürden) eher einem Konsolidierungkurs gewichen. Ich bin nicht der Optimierungs-Manager, der Feinheiten justiert und eine Organisation durchsteuert - ich bin einfach nicht gut darin. Mir wurde klar, dass ich wieder etwas aus dem Nichts entwickeln muss. Und da kam der Gedanke, auf Reisen zu gehen, um mehr zu lernen. 



An welches Erlebnis dieser Reise denkst du am Liebsten zurück?

 

Mein Top-Ort auf der Reise war definitiv eine Schule in Sydney: Das Sydney Centre for Innovation in Learning: Die Schule der Zukunft. (http://scil.com.au/)
Hier geht's zu Béas Video, das sie dort drehte...

 


Nach deiner Rückkehr hast du aus deinen Erfahrungen ein neues Playducation-
Konzept entwickelt. Was beinhaltet dieses?

 

Überall, wo ich erfolgreiche Bildungsprojekte gesehen habe, bin ich auf das Thema Lernen gestoßen - durch Neugier, mit Spielelementen, mit Freude, mit Alltagsbezug. Zusammen mit Pädagogen habe ich nach meiner Rückkehr einen Ansatz erarbeitet, der genau darauf basiert und die Multiplen Intelligenzen von Howard Gardner als Grundlage nimmt. Das ist unser Play-Curriculum, auf dem die Entwicklung der Tollabox fußt.


Seit wann gibt es die Tollabox und was genau erwartet deine Abonnenten?

 
Wir sind seit September 2012 auf dem Markt. Die Tollabox ist wie ein dreidimensionales Kindermagazin - so groß wie ein Schuhkarton: Das Überraschungspaket kommt monatlich mit einem bestimmten Thema und bringt Ideen und Material zum Basteln, Experimentieren und Weltverstehen. Dazu kommt jedes Mal eine neue fantasievolle Folge der Themengeschichte mit den Tollas, vier kleine Wesen von einem anderen Stern… Also: Für die Erwachsenen ist die Tollabox eine Box mit Material und Ideen, die Familienspaß bringt und sie bei der Ideensuche und dem Materialbesorgen entlastet. Für die Kids kommt ein Raumschiff mit Außerirdischen. 

 

 Wie gut wird die Tollabox angenommen? Entspricht die Resonanz deinen Erwartungen, die du an dieses Projekt hattest?


Hat JEDE Familie mit Kindern zwischen 4 und 10 Jahren in Deutschland und der Schweiz die Tollabox abonniert? Na, dann kann ich noch nicht ruhen… ;-)
Im Ernst: Die Tollabox kommt sehr gut an und wir haben sehr viele begeisterte Kunden, Eltern wie Kinder. Aber es könnten noch soooo viel mehr werden!!!
Na gut. Geduld war noch nie meine Stärke. 

 

 Welche Erfahrungen und Tätigkeiten in all deinen Jahren Berufserfahrung haben dir die größte Freude bereitet?
 

Ich trage gern dazu bei, dass Menschen wachsen - gern über sich, auch gern über mich hinaus. Ich lerne gern. Und ich bin am liebsten kreativ, stets an einer neuen Entwicklung dran.

 

Nach deinen Erfahrungen als Angestellte und als Selbstständige…welches Modell ließ sich am besten mit deinem Familienleben vereinen?

 
Grundsätzlich immer das “Ich-gehe-meiner-Leidenschaft-nach”-Modell: Ich habe immer die Dinge gemacht, die mich interessiert haben und mein Kind miteinbezogen, als Teil meines Lebens. Die Idee von Work-Life-Balance finde ich blöd. Ich lebe doch immer, auch wenn ich arbeite! Ich habe immer voll gearbeitet, ich habe immer nicht viel, aber gute und intensive Zeit mit meinem Kind verbracht - und sie ist jetzt, mit 24, ein wunderbar ausgeglichener, glücklicher Mensch. Ich habe immer das getan, was für uns gut gepasst hat - und mich wenig darum geschert, was Außenstehende sagen. 

 

 Nachdem du so viel in der Welt herumgekommen bist…Wird das Thema Vereinbarkeit Beruf/Familie in anderen Ländern auch so heiß diskutiert? Hast du besonders gute oder interessante Modelle entdeckt, von denen wir Deutschen uns eine Scheibe abschneiden können?

 
Ja, es wird in der Tat überall heiß diskutiert… Ehrlich gesagt, das perfekte Modell habe ich noch nicht gefunden. Grundsätzlich gilt: Je selbstverständlicher die Arbeitskraft von Frauen und die frühe Bildung geschätzt werden und je toleranter eine Gesellschaft gegenüber neuen Lebenskonzepten ist (also auch Patchworkfamilien, Homosexualität, Multikulturalität), desto besser klappt es!

 

 Wo soll die Reise in der Zukunft hingehen? Bist du mit der Tollabox „angekommen“ oder gibt’s schon Ideen für weitere Projekte?

Tollabox ist jetzt mein Fokus, Heimat, Spielplatz. Ich habe aber noch ganz viele Ideen - mal sehen, was davon sich mit der Tollabox umsetzen lässt, ohne sie zu defokussieren und was eine andere “Sandbox” braucht

 

Vielen Dank, liebe Béa, dass du deine Erfahrungen und Gedanken mit uns teilst! Mamas Lifestyle wünscht dir weiterhin viel Spaß, Freude und Energie für die TOLLABOX und alles Andere, das noch kommen wird! 

Und hier könnt ihr alles über die Tollabox erfahren (sie evtl auch bestellen?!) und Béa auf ihren diversen Social Media Kanälen folgen,auf denen sie sehr aktiv ist (tolle Tweets/Posts/Pins, das kann ich nach einigen Monaten als treuer Verfolger versprechen):

Website: www.tollabox.de

Twitter: https://twitter.com/TOLLABOX 

Facebook: https://www.facebook.com/tollabox.de (knapp 57.000 Fans?! Wooooow!)

Pinterest: http://www.pinterest.com/tollabox/

Google + : https://plus.google.com/u/0/+TollaboxDe/posts

Instagram: http://instagram.com/tollabox_bea#

Kommentare:

  1. Beeindruckend. Ich finde es super, dass du, Béa, immer deinen Leidenschaften gefolgt bist!

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  2. Danke für das tolle Interview mit Béa, eine wirklich tolle und wahnsinnig kreative Frau. Sehr gern gelesen!
    Liebe Grüße, Janina

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  3. Wunderbar und beeindruckend zu gleich! Wenn die Leidenschaft gewinnt, können so wunderbare Ideen und Konzepte entstehen, die sooo viele begeistern! Immer weiter so, denn die Kreativität hat nie ein Ende :-)
    Danke für das inspirierende Interview!
    Viele Grüße Maxie

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  4. schaut doch auch mal in die anderen "Mutige Mütter" Interviews... 5 weitere sind schon eine Weile online. Allesamt mit wahnsinnig spannenden, beeindrucken und inspirierenden Frauen! Und auch in Zukunft wird es weitergehen...hab ich ein Glück, dass es so viele tolle Frauen gibt :-)!

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