Mittwoch, 9. April 2014

Finden Kinder schnell neue Freunde im Ausland?

von kleinen Menschen und großen Sorgen


Huch...da ist man im Stress und schon ist's passiert: 4 Wochen ohne Blogpost!
Hier habt ihr mich also wieder. Sicher habt ihr euch gefragt, wohin ich verschwunden bin. Nicht in die Versenkung, soviel steht schon mal fest. Hauptsächlich befand ich mich die letzten Wochen desorientiert in einer Garage zwischen Umzugskartons, schlafend und lesend im Flieger (Buchempfehlung folgt), Verwirrung stiftend zwischen Ikea Möbeln (Merke: Verbindungsstifte lassen sich nur mit dem Bohrer wieder aus den falschen Öffnungen fräsen) und Haare raufend im Istanbuler Verkehr.

So weit die Kurzfassung. Mit den Details möchte ich euch nicht langweilen, denn im Grunde bringt unser Auswandern die selben Komplikationen, den selben Stress und das selbe Chaos wie jeder andere Umzug auch mit sich (nur mit etwas mehr Papierkram und längeren Fahrt-/Flugzeiten und nicht zu vergessen die pantomimischen Showeinlagen bei sämtlichen Erledigungen).

Vom vorletzten Wochenende möchte ich euch aber mehr berichten, denn es war ein ganz besonderes.
Ich hatte mich entschieden nur mit der Großen nach Istanbul zu fliegen (Zwerg wurde bei Oma geparkt), wo wir Papa besuchten, der dort schon arbeitet. Die Große ist eigentlich immer etwas zerstreut und schusselig, in den letzten Wochen aber noch mehr als sonst. Mit knapp 9 Jahren ist man sich der Tragweite eines solchen Umzuges immerhin ansatzweise bewusst und eine neue Schule und Umgebung, in der einen keiner versteht, können schon mal beängstigend sein. Ihre grösste Sorge war, dass sie keine neuen Freundinnen finden würde. Immerhin hat sie einige Wochen nach dem endgültigen Umzug Geburtstag und sie sah sich wohl schon ohne Kinder auf ihrer alljährlichen Geburtstagsparty sitzen. Sie macht sich seit geraumer Zeit ganz intensiv Gedanken und ist ständig abgelenkt und zerstreut. Mir war also wichtig, dass sie endlich die neue Wohnung und Umgebung kennenlernt, damit sie etwas besser einschätzen kann, was auf sie zukommt. Um ehrlich zu sein ging mir ordentlich die Düse auf dem Weg vom Flughafen zur Wohnung. Unsere Wohnung ist wirklich toll: Größer und heller als die bisherige, die Kinder haben ihr eigenes Badezimmer, Pool und Spielplatz sind direkt vor der Tür. Aber wer Kinder hat weiss: Man kann nie wissen. Ich habe noch gut die Krokodilstränen in Erinnerung, als wir vor Jahren das erste mal innerhalb der selben Ortschaft umzogen. Obwohl sie in der vorherigen Wohnung nur ein "halbes" Kinderzimmer besaß und in der neuen Wohnung ein schönes, großes. sie war damals wochenlang niedergeschalgen da sie ihren Kletterbaum im Garten vermisste.

Zum Glück waren meine Befürchtungen unbegründet, denn sobald wir die Große in die Wohnanlage geführt hatten, war sie außer sich vor Freude. Die Wohnung war erstaunlicherweise erstmal zweitrangig, zu einer kleinen Führung mussten wir sie regelrecht überreden. Aber die Umgebung hatte es ihr angetan. Wir wohnen dort in einer privaten Anlage mit mehreren Wohnkomplexen, die von der Umgebung etwas abgeschirmt sind. Durch den Security-Service kommt nur rein und raus, wer sich auch dort aufhalten sollte. Und innerhalb der Anlage gibt es mehrere Pools, Spielplätze, Fitnessstudio, Sauna, Hamam, Hallenbad und eine Art Lobby, die von allen Bewohnern genutzt werden können. Das hat sie völlig von den Socken gehauen. Sofort wollte sie nach einer kleinen Tour mit uns alles alleine unter die Lupe nehmen. Das Schönste: Nach 10 Minuten stand sie wieder vor der Tür und fragte, ob sie mit ihren neuen Freundinnen Basketball spielen dürfe. Neue Freundinnen? Ja, ganz recht. Die Große hatte es tatsächlich geschafft, innerhalb von Minuten eine ganze Horde Mädels zu finden, die sie herzlicher empfingen, als wir uns das je vorgestellt hatten. Sofort wurde sie von allen umarmt, gebusserlt und herumgeführt. Und so spielte sie den restlichen Tag und den ganzen Folgetag mit ihren neuen Freunden zwischen Lobby, Crosstrainer und Basketballkorb. Ich habe nicht die leiseste Ahnung, wie sie sich verständigt haben. Aber irgendwie muss es geklappt haben, denn immerhin konnte mir die Große hinterher erzählen, wer wie alt sei und wo sie alle wohnten.

Ich finde es bewundernswert, wie unvoreingenommen und mit welches Offenheit Kinder aufeinander zugehen können. Wie sie sich auch durch Sprachbarrieren und offensichtliche, kulturelle Unterschiede nicht beirren lassen und es trotzdem schaffen, herzliche Kontakte zu knüpfen. Nach dem Wochenende hätte die Große am Liebsten den Zwerg einfliegen lassen und wäre sofort dort geblieben. Leider haben wir noch einigen Papierkram und Organsiatorisches zu erledigen. Und so sitzen wir nun wieder in good old Germany.
Jetzt freut sie sich auf jeden Fall rieig auf den Sommer und 3 laaaaange Monate Sommerferien die vor ihr liegen mit Pools und haufenweise netter Kinder direkt vor der Tür. Bleibt nur noch die nachvollziehbare Angst vor der neuen Schule. Die werden wir allerdings nächste Woche vor Ort mal genauer unter die Lupe nehmen. Und ich hoffe sehr, dass sie sich brav einreiht in unsere unsagbar vielen, tollen Istanbul-Erfahrungen, die wir bisher erleben durften.

Erfahrungsbericht folgt ;-) ...



Kommentare:

  1. Ich selbst bin mit meiner Familie (durch den Beruf meines Vaters bedingt) im Alter von 7 Jahren nach Zentralamerika ausgewandert, wo wir drei Jahre gelebt haben - die beste Zeit meiner Kindheit!!! Ich habe innerhalb von ein paar Monaten fliessend spanisch gesprochen. Spanisch ist noch heute meine zweite Sprache. Wir wurden mit offenen Armen aufgenommen. Schwierig wurde es dann, als wir in die Schweiz zurückkehrten - mein durch den Auslandaufenthalt weltoffener Geist passte nicht mehr so recht ins ländliche Schweizer Leben. Mein Tipp deshalb: Auswanderung voll geniessen und alles an Erfahrung mitnehmen, was geht. Die Kinder haben es am einfachsten! Zurück in Deutschland lieber in ne Grossstadt ziehen!
    LG
    MamaOTR

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    1. Es ist so toll, solche Geschichten zu hören und total ermutigend! Ich hoffe sehr, dass meine Kinder sich genauso schnell wohlfühlen und in die Sprache finden (mit ihrem Wohlbefinden steht und fällt ja als Familie auch der Erfolg des gesamten Auswanderer-Unterfangens). Das man sich hinterher im kleinbürgerlichen Spießertum nicht mehr wohlfühlt, kann ich mir gut vorstellen. Ich bete, dass wir das Glück haben, immer eine Umgebung zu finden in der auch etwas über den Tellerrand geschaut wird ;-)

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    2. Das macht Mut. Mein Mann und ich absolvieren nächstes Jahr ein Auslandssemester in Indonesien. Natürlich kommen die Kinder mit, aber im Moment mach ich mir ein wenig Sorgen um meinen Großen (5). Wir waren gerade 5 Wochen in Italien und entgegen meiner Erwartung fand er dort keinen Kontakt zu anderen Kindern. Die Sprachbarriere hinderte ihn schlichtweg daran. Wenn ihm mal zufällig ein deutsches Kind über den Weg lief, wollte er am liebsten sofort die Verfolgung aufnehmen und war total.betrübt, wenn das Kind nicht mit ihm spielen konnte. Alle anderen Kinder mied er. Und nach drei Wochen fing er an seine Freunde in Deutschland zu vermissen. Insgesamt waren wir nur 5 Wochen weg und zudem in einem Land, das er kennt. Was soll das bloß auf Bali werden, wo uns nicht nur die Sprache völlig fremd ist?

      Übrigens finde ich deinen Blog richtig klasse und folge dir nun auf allen Kanälen ;)

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    3. Das wird schon :-). Ich glaube ganz entscheidend ist das Umfeld. Wir haben uns bewusst für eine Wohnung neben einem Spielplatz entschieden mit geschätzten 50 Kindern in den Nachbargebäuden, die jeden Tag die Strasse unsicher machen. Ein ganzes Haus etwas außerhalb wäre auch möglich gewesen, allerding hatte ich da befürchtet, dass die Kinder nur schwer Anschluß finden. Je mehr Auswahl, umso eher ist eben auch ein "richtiger" Freund dabei. Die Entscheidung haben wir bislang noch nicht bereut. Meine Große spricht immer noch schlecht türkisch, allerdings fällt es ihr leicht sich einer größeren Gruppe anzuschliessen, wenn draußen alle Spielen. So ein "Gespräch" mit einem einzelnen Kind aunzufangen, wenn man mit Sprache und Kultur nicht evrtraut ist, ist glaube ich schon schwieriger. Ich kann die Kinder auf jeden Fall gut verstehen, manchmal würd ich mich selber noch gerne unter dem Tisch verkriechen, wenn ich nicht verstehe, was jemand von mir will ;-)

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