Mittwoch, 12. Februar 2014

"Mutige Mütter" Mittwoch Teil 1





70% aller Mütter mit Kindern unter 15 Jahren sind in Deutschland berufstätig.
Etliche sind unzufrieden, unterbezahlt und ihre Tätigkeit zapft noch nicht mal ihr Potenzial an.
Viele Arbeitgeber bieten Teilzeitkräften keine Möglichkeit, sich zu entfalten oder weiterzuentwickeln.
Mamas Lifestyle stellt euch nun jeden Mittwoch eine beeindruckende Mutter vor, die es geschafft hat ihre eigenen Ideen und Träume zu verwirklichen. Diese mutigen Frauen beweisen, dass es niemals zu spät ist, ein Projekt zu starten, für das man mit Leidenschaft brennt.



Heute im Interview: Anette Weiss

  
"...es gibt nicht viel Schöneres, als anderen Menschen beim Wachsen und Werden behilflich sein zu dürfen. "
 

Wenn eine Vermögensberaterin sich gegen finanzielle Sicherheit und für die Realisierung ihrer beruflichen Vorstellungen entscheidet, muss das etwas heissen.
Anette ist 43 Jahre alt, verheiratet und hat eine Tochter (17) und einen Sohn (14).
Sie arbeitete 19 Jahre lang als Angestellte bei der Bank. Als ihre Kinder dem Kleinkindalter entwachsen waren, studierte sie nebenberuflich 3 Jahre. 
2010 gründete sie mit 40 Jahren ihre eigene GmbH, da Bankberatung nicht mehr ihren eigenen Werten und Standards entsprach. Sie entschied sich, wieder mit Freude arbeiten und es besser machen zu wollen.
Die bewundernswerte Unternehmerin spricht heute offen und ehrlich über Familie und Arbeit, Leidenschaft und den Mut, die (Finanz)welt ein Stücken zu verbessern.



Du bist gelernte Bankerin. Hattest du schon immer ein großes Interesse an Finanzen oder hat
sich der Weg eher zufällig ergeben?


Als Unternehmertochter und Lateinversager hatte ich schon Wirtschaftsabitur gemacht, BWL und
VWL fand ich immer schon sehr spannend. Da ich aber unsicher war, was ich studieren sollte, dachte ich, eine Banklehre wäre zur Entscheidungsfindung hilfreich – und „später“ schaut man dann mal weiter…
Ich bin dann in dem Job hängengeblieben, habe aber meine echte Leidenschaft für Bank und
Geld erst nach der Geburt unserer Tochter entdeckt: es hat sich nämlich herausgestellt, dass der
Hausfrau und Mutter­ Beruf mich nicht glücklich macht. Ich bewundere jede Frau, die darin aufgeht
– denn ich hatte mich da in mir selbst ganz schön getäuscht. 


Du warst 19 Jahre lang Angestellte und arbeitetest dich in dieser Zeit vom Schalter bis zur Vermögensberaterin hoch. Während dieser Zeit hast du deine beiden Kinder bekommen.
War es für dich als Mutter besonders schwierig, dich bei der Bank zu behaupten?


Teilzeit zu arbeiten, Mutter und Frau zu sein war auf jeden Fall nicht hilfreich beim Verhandeln um Gehalt und Karrierechancen. Behaupten konnte ich mich also nur über Leistung – aber ehrlich gesagt war mir das ganz recht. So konnte ich nämlich solche Dinge sagen wie „Wenn ich das als Halbtagskraft doch schaffe, dann solltest Ihr das als Vollzeitkräfte doch erst recht erreichen!“ …
Fakt ist aber, dass ich immer mindestens eine Gehaltstufe unter den – mir offiziell gleichgestellten, teilweise sogar mir untergebenen – Männern bezahlt wurde. Und karrieretechnisch habe ich nach meinem Studium dann auch recht flott bemerkt, dass in solch alteingesessenen und männerdominierten Strukturen wie sie in einer Bank nun mal immer noch herrschen, ein Freigeist wie ich viel zu unbequem für die Besetzung einer übergeordneten Führungsposition wäre.


Empfandest du das Leben als angestellte, berufstätige Mutter eher als Doppelbelastung oder als
Erfüllung?


Absolut erfüllend! Ich konnte immer auf die Unterstützung meines Mannes, meiner Eltern und Freunde zählen, von dahinein konnte auch immer jemand einspringen, wenn es mal eng wurde. Bei uns zu Hause sieht es halt nicht aus, als wäre es unbedenklich, vom Boden zu essen – und wer aufräumen möchte, kann es gerne tun. Mein Perfektionismus hat sich während der Elternzeit in Luft aufgelöst, penibel bin ich nur noch bei meiner Arbeit.

Du hast später sogar noch neben deiner Arbeit 3 Jahre lang studiert...

Und was hat es mir Freude bereitet! Ich habe eben erst spät verstanden, das Lernen unheimlich befriedigend sein kann – und heute ist für mich ist studieren und lernen das, was für andere ein Ausgleichssport ist. Natürlich war es zwischendurch nicht leicht, den inneren Schweinehund zum Lernen zu überreden und mit dem Prüfungsdruck habe ich gegen Ende ganz schön gekämpft. Und weißt Du, was absolut unbezahlbar an der ganzen Geschichte ist? Meine Kinder haben diese ganze Entwicklung live miterlebt und sind richtiggehend stolz auf das, was ich kann und was ich mache.

 
Wann kam dir die Idee der Selbstständigkeit? Gab es einen bestimmten „Auslöser“ oder war das
eher ein schleichender Prozess?


Das ging vonstatten wie das langsame Sterben einer Beziehung weil man einfach keine gemeinsame Kommunikationsebene mehr findet: das Betriebsklima veränderte sich überall, weil der Verkaufsdruck ständig erhöht wurde. Die Intention, in der Gesamtbank die Fachkompetenz dem Verkaufstalent unterzuordnen, widerte mich an. Jede angekündigte Veränderung stellte sich als Viehtrieb in die immer gleiche Richtung heraus und es wurden aus meiner Sicht immer mehr sinnlose und/oder unethische Entscheidungen auf Führungsebene getroffen, die ich nicht mittragen konnte. Eines schönen Nachts machte ich einfach Schluss mit der Bank – und reichte dann die Kündigung ein. Es war eine gute Zeit zum Leben und Lernen gewesen, ich war jetzt über meinen Meister herausgewachsen.

Von der 1. Idee bis zur Umsetzung ­ wie lange hat es gedauert und was hat dir den Mut zur Realisierung gegeben?

Das ging – für Bankerverhältnisse!- ­ sehr schnell. Ich las im Sommer 2009 das erste Mal etwas über Honorarberatung, im Herbst habe ich angefangen, den Businessplan zu schreiben und meinen letzten Arbeitstag hatte ich am 01. Februar 2010. Ganz offiziell lebt die geld.wert finanzbildung GmbH seit April 2010, in meiner Branche gibt es ja unzählige bürokratische Hindernisse, die es zu bewältigen gilt. Ich brauchte also weniger Mut, sondern vielmehr starke Nerven!
Diese Zeit ist im Rückblick für mich ein einziger „Flow“: die Aussicht, auf eigenen Füssen zu stehen und Finanzberatung so machen zu dürfen, wie sie gemacht werden sollte, hat mich getragen. Ich wollte die Welt verbessern und das war meine Gelegenheit dazu!   


Welche großen Hürden musstest du nehmen und wie ist es dir geglückt?


Die bürokratischen Hindernisse hatte ich ja bereits erwähnt – aber die kosten ja nicht viel, außer
Zeit und Nerven...
Ansonsten kämpfte ich den üblichen Existenzgründungskampf. Wenn mir nochmal jemand erzählt, es dauert 3 Jahre, bis man aus den roten Zahlen raus ist, den beiße ich in den Popo.
Jetzt, nach vier Jahren, beginne ich langsam zu glauben, dass ganz hinten am Horizont ein Lichtstreifen zu erkennen ist...
Die allergrößte Hürde, die ich immer wieder zu überwinden habe, bin ich selbst: von Selbstzweifeln bis zu Faulheitsanfällen ist alles dabei. Das ständige Hinterfragen, über Grenzen gehen und Weiterentwickeln ist manchmal ermüdend. Und: warum können die Menschen nicht einfach morgens aufwachen und von selbst wissen, dass ich die bestmögliche Wahl für sie bin? ;­-)

 
Gab es je einen Punkt, an dem du dich in dein altes „Angestellten-­Leben“ zurückgewünscht hättest?

Nein.

Was schätzt du an deiner Selbstständigkeit am Meisten?


Zu sehen, was meine Arbeit bewirkt, welche Prozesse – gerade mit der Finanzbildung – ausgelöst werden: es gibt nicht viel Schöneres, als anderen Menschen beim Wachsen und Werden behilflich sein zu dürfen.

 

Gibt es etwas, dass du rückblickend anders machen würdest?

Nein. Aus der jetzigen Rückschau war alles wichtig (auch wenn manche Sachen krasse Fehlentscheidungen waren) um mich dahin zu bringen, wo ich heute bin. 
Hast du einen guten Rat für Mütter, die auch mit dem Gedanken  an ein eigenes Unternehmen spielen?

Einen? Tausende!
Nein, Scherz beiseite. Ich finde es ganz wichtig, den Businessplan selbst zu schreiben, zumindest den ausformulierten Teil (die Zahlen sind eh Makulatur). Wenn der Schriftteil unter 30 Seiten lang ist, ist die Geschäftsidee nicht genug von allen Seiten beleuchtet und durchdacht. Außerdem: sucht Rat und Tat von außen – aber prüft ganz genau, auf wessen Stimme ihr hört. Ein wirklich gutes Netzwerk bietet objektive Draufsicht und ist oftmals mehr wert als ein Unternehmensberater.



Was wünschst du dir beruflich und privat für die Zukunft?


Beruflich: Ausgebuchte Workshops und noch viel mehr Kunden, die mit meiner Hilfe ihre Ziele erreichen. Außerdem hätte ich gerne ein paar Kollegen in die Firma aufgenommen, die mit mir das Konzept Finanzsouveränität in die Welt hinaustragen. Und (mein ganz persönlicher kleiner Luxus­Wunsch): eine Person, die es liebt, meine Briefe zu schreiben, Research zu betreiben und die Buchhaltung zu führen!
Privat: Gesundheit! Gelegenheiten für Fortbildungen und Reisen. Viel Qualitätszeit mit meiner Familie und Freunden.

Vielen Dank für deine offenen Antworten! Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass sich all diese Wünsche erfüllen und du mit deinem Konzept den Erfolg hast, den es verdient!

Mehr zu Anettes Dienstleistungen findet ihr auf ihrer Homepage http://blog.geldwert-finanz.de

Tel: 0681/396 16 15
E-Mail: info@geldwert-finanz.de

Kommentare:

  1. Toller Blogbeitrag einer spannenden Frau! Danke :-)

    AntwortenLöschen
  2. Tolles Interview mit einer sehr interesanten Frau. Die Idee zu deiner neuen Serie ist einfach klasse!

    AntwortenLöschen
  3. vielen Dank ihr Lieben! Und ich habe noch einige weitere tolle Frauen für euch in petto :-)
    Wenn ihr keinen Teil der neuen Serie verpassen wollt, könnt ihr mir gerne mit "Google Friend Connect" in der Sidebar, oder auf der offiziellen FB-Seite: https://www.facebook.com/Mamaslifestyle folgen :-)

    AntwortenLöschen
  4. Spannendes Interview, sehr informativ! Danke vielmals

    AntwortenLöschen
  5. Schöne Idee, noch mehr Mama-Power Interviews bitte...LG,Josy

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. schon dabei :-) hab da noch einige beeindruckende Mamas in petto ;-)

      Löschen

Was meinst du?