Sonntag, 2. Februar 2014

Lebensweisheiten durch Kinder vermittelt

Learning by parenting

weil Kinder nach Weisheiten großer Philosophen leben


Wer braucht schon Dalai Lama und Konfuzius? Wer Kinder hat und genau hinschaut, bekommt die Weisheiten des Lebens tagtäglich auf dem Silbertablett präsentiert, auch ohne sich mit Philosophie zu beschäftigen.


Morgens, 7.30h in Deutschland

Der Zwerg sitzt im Zimmer ihrer Schwester (natürlich nachdem diese auf dem Weg zu Schule ist und ohne dass sie davon erfährt) und tobt sich an den Barbie- Spielkisten aus. Diese Zeit ist wertvoll, denn sie ermöglicht mir mich anzuziehen, Kindergarten-Vesper vorzubereiten, E-Mails zu checken oder Einkaufzettel zu schreiben. Die überlebenswichtigen Dinge des Mama-Alltags eben, die ohne Zwerg am Hosenbein wesentlich effizienter abgehandelt werden können.
8h Check- alles erledigt! Mein tägliches Ziel: Die Planung und Grundlagen schnell abhandeln, so dass ich mich an die Umsetzung machen kann und mit etwas Glück im Verlauf des Tages auch mal Zeit für ein Tässchen Kaffe und sonstige Vergnügen habe. So freue ich mich schon morgens auf den Triumph am Abend, meinem Alltag mit all seinen Aufgaben, Verpflichtungen und Hürden ausgetrickst zu haben.
DER WEG IST DAS ZIEL.

Morgens, 8.30h in der Hölle

Ich stehe im Hausflur, Schuhe und Mantel an, Gepäck geschultert, ready to go.
Der Zwerg hüpft im Hausflur auf und ab wie Rumpelstilzchen. Ihr Gesicht ist rot und wutverzerrt. Eine Rotznase fügt sich in das ansprechende Erscheinungsbild, das durch lautes Gebrüll abgerundet wird.
Problem: Zwerg fühlt sich in letzter Zeit so erwachsen, dass sie alles alleine machen möchte. Auch Winterstiefel, Jacke, Mütze und Rucksack anziehen. Mit 2 Jahren klappt das allerdings nicht immer so reibunglos, wie Zwerg sich das vorstellt. Wenn das der Fall ist hegt sie, nennen wir es mal einen "kleinen Groll". Infolgedessen muss ich erst mal die Kellertreppe runter, um die Stiefel zu finden, die zu Wurfgeschossen umfunktioniert wurden nachdem der Reißverschluss klemmte, denn klar:
Das löst natürlich das Problem.
IN DER WUT VERLIERT DER MENSCH SEINE INTELLIGENZ. Dalai Lama

Morgens, 8.40h an der Haustüre

Zwerg wieder zu besänftigen ist gar nicht so einfach, wenn sie erstmal in Rage ist.
Da die Stiefel jetzt blöd sind, werden Turnschuhe angefordert. Um sich trotzdem durchzusetzten, hilft nur eins: Argumentieren in kindlicher Logik. Denn nur mit Stiefeln kann in Pfützen gesprungen werden.
Letzten Endes stehen wir draussen, Winterstiefel zieren die Zwergenfüsschen und die Laune ist wieder stabilisiert.
EIN WAHRHAFT GROßER MENSCH VERLIERT NIE DIE EINFACHHEIT EINES KINDES. Konfuzius

Morgens, 8.45h auf dem Weg zum Kindergarten

Wir marschieren los und nach schon nach kurzer Zeit erkundigt sich der Zwerg skeptisch nach den Pfützen, die nirgendwo zu entdecken sind.
Ähm ja, eigentlich ist der Boden so trocken, dass ein Funke zum Waldbrand führt.
DENKE DARAN, DASS SCHWEIGEN MANCHMAL DIE BESTE ANTWORT IST. Dalai Lama

Morgens, 8.50h auf einem Kieshügel

Wie wir dort hingelangt sind? Bevor sich Zwergs Gedanken weiter um die fehlenden Pfützen drehen konnten, stach ihr ein gefrorener Kieshügel ins Auge. Da sie schon groß ist und klettern kann, nimmt sie selbstredend die stille Herausforderung an und  bezwingt den Berg. Etwas glatt und rutschig, daher folge ich ihr unauffällig. Der Gehweg wäre mir lieber gewesen, aber was soll's?!
WEGE ENTSTEHEN DADURCH, DASS MAN SIE GEHT. Franz Kafka

Mittags, 12.30h auf dem Weg nach Hause

Zwerg trödelt und will getragen werden. Das Schöne an Kindern ist ja, dass sie sich durch einfache Dinge von ihrer eigenen Müdigkeit ablenken lassen. Wenn das bei mir auch funktionieren würde....
Die Aussicht auf Pizza zum Mittagessen wirkt wie Wind unter ihren Flügeln.
MAN MUSS IMMER ETWAS HABEN, WORAUF MAN SICH FREUT. Eduard Mörike

Nachmittags, 15.30h im Chaos

Bevor die Große von der Schule kommt, muss ich dringend ihr Zimmer aufräumen. Nicht, dass sie das mit ihren 8 Jahren nicht schon selbst erledigen würde. Aber wenn Zwerg gewütet hat, bringe ich das wieder in Ordnung. Die Beseitigung aller Spuren ist dabei das A und O, um lange Diskussionnen zu vermeiden.
Doch das ist leichter gesagt, als getan. Die Große gehört nämlich nicht zu den Kindern mit Büchern im Regal und Spielen in den Schubladen. Nein, in ihrem Zimmer dominiert allerlei Klimbim, Kristalle, Muscheln, Steine, etc., die liebevoll angeordnet und dekoriert wurden. Die Ausgangssituation wieder herzustellen, um das schwesterliche Treiben unbemerkt zu lassen, ist eine echte Herausforderung.
NICHT WAS ICH HABE, SONDERN WAS ICH SCHAFFE, IST MEIN REICH. Thomas Carlyle


 Abends, 18.00h am Esstisch

Wir wollen Abendessen. Nein, eigentlich will nur ich das. Zwerg würde lieber Barbie spielen. Oder KIKA gucken. Oder "Quatsch machen" im Bett. Oder mich verarzten. Eigentlich möchte sie alles, nur nicht essen und tut das auch kund. Mit Nachdruck.
Die Große ist sauer, weil sie mir erzählen will wer in der Schule wann wie was zum wem gesagt hat undsoweiterundsofort......
Meistens erzählt sie mir so viel, dass sie noch nicht mal von ihrem Brot abgebissen hat, wenn ich schon längst fertig bin. Und meistens erzählt sie auch so viel, dass es einem normalen Menschen einfach unmöglich ist, alle Informationen zu verarbeiten. Wenn ihre Schwester gerade tobt, erzählt sie einfach sehr laut um das Geschrei zu übertönen.
Ich bin müde und versuche in Gedanken meine To-Do-Liste für Morgen fertigzustellen. Die Geräuschkulisse ist unerträglich.
DREI DINGE HELFEN, DIE MÜHEN DES LEBEN ZU TRAGEN: DIE HOFFNUNG, DER SCHLAF UND DAS LACHEN. Immanuel Kant

Abends, 19h im Elternbett

Also, ich habe umdisponiert. Abendessen abgeräumt, mit den Kindern Karten gespielt (Zwerg meint, ihre UNO-Karten spielen bei Canasta eine entscheidende Rolle). Dabei konnte ich ihnen unauffällig etwas Obst unterjubeln. Dann sind wir ins Bett gehüpft um uns gegenseitig durchzukitzeln, denn Lachen ist immer noch die beste Medizin, auch gegen Wahnsinn. Ausserdem verbinde ich Hoffnung und Schlaf: Zu Hoffnung auf den Schlaf der Kinder.  Die habe ich nämlich und der Gedanke an meinen "Feierabend" steigert meine Laune ungemein. Als ich die Kinder fürs Bett ferig machen will, haben sie Hunger. Ich übrigens auch. Klar, von etwas Obst wird man ja auch nicht satt. Also schlachten wir einen Schokoladennikolaus. Schokolade macht glücklich.
DIE NORMALITÄT IST EINE GEPFLASTERTE STRAßE, MAN KANN GUT DARAUF GEHEN, DOCH ES WACHSEN KEINE BLUMEN AUF IHR. Vincent van Gogh

Nachts, 23.45h auf dem Sofa

Eigentlich sollte ich langsam ins Bett, um meinen dauermüden Zustand eines Tages zu beenden und in 6 Stunden wieder ansprechbar zu sein. Aber lieber blogge ich noch ein bisschen.
DER MENSCH IST VIELERLEI. ABER VERNÜNFTIG IST ER NICHT. Oscar Wilde



P.S.:
Wer nun den Eindruck gewonnen hat, meine Kinder wären anstrengend oder nervig, dem sei gesagt:
DER EIGENE HUND MACHT KEINEN LÄRM, ER BELLT NUR. Kurt Tucholsky





Kommentare:

  1. Ich habe Tränen gelacht. Woanders hört sich der normale Alltagswahnisnn immer so schön lustig an. Bei einem selbst kostet es dann doch einen Haufen Nerven.
    Liebe Grüße
    Suse

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    1. Da hast du recht :-) Am Besten man denkt sich manchmal in Kinder- oder Vogelperspektive, mit ein bisschen Abstand kann man dann auch mal sein eigenes Chaos liebgewinnen ;-)

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  2. Was für ein schöner Post! Mit so tollen Zitaten. Klasse!
    Herzliche Grüße
    Leni von www.familienjahr.blogspot.de

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