Donnerstag, 20. Februar 2014

Das Recht auf Krankheit

Eine Mutter heult sich aus


Wehmütig denke ich an Zeiten zurück, in denen "krank sein" zwar unangenhem, nervig oder schmerzhaft war, aber irgendwie auch gelegentlich erholsam und schön.

Erinnert ihr euch, wie es als Kind war? Wenn man krank im Bett lag, nicht in Kindergarten oder Schule musste und liebevoll von Mama mit Wärmflasche, warmem Tee und Zwieback umsorgt wurde? Zwischendurch wurde noch gestreichelt, bemitleidet und vorgelesen.


Später hatte man zwar niemanden mehr, der einen umsorgte, allerdings konnte man das auch schon selbst tun. Schnell ein Telefonat erledigt und sich krank gemeldet, und dann wieder ins warme Bett gekrochen. Dem Partner oder der besten Freundin wurde eine SMS geschickt woraufhin man zumindest virtuell bemitleidet wurde. Man warf sich Grippostad oder Ähnliches ein und verbrachte den ganzen Tag im Bett/ vor dem Fernsheer, zwischendurch raffte man sich nur auf um eine Tiefkühl-Pizza in den Ofen zu schieben. So enstpannt vor sich hinleidend verbrachte man dann 1-2 Tage zu Hause und war hinterher wieder fit wie ein Turnschuh, man freute sich sogar, dass Haus wieder zu verlassen.

Heute, diverse Jahre und 2 Kinder später wache ich mich dröhnendem Schädel auf (weil mir ein kleines Händchen ins Gesicht patscht und "Frühstücken" quakt). Ich strecke mich und stelle fest, dass sich mein Körper anfühlt, als sei ich überfahren worden. Ich beiße die Zähne zusammen und trage meinen 13-Kilo-Brocken ins Eßzimmer, wecke kurz die große Schwester und bereite das Frühstück zu. Beim Husten schiessen mir Tränen in die Augen weil der Rachen wund ist und ich mittlerweile so starken Muskelkater habe, dass es unerträglich ist. Und so taumle ich durch die Wohnung im Fieberwahn, suche Hello Kitty Haarspangen und erledige ähnlich weltbewegende, unaufschiebbare Dinge. Wenn keiner hinschaut, lege ich mich schon mal ein paar Minuten auf den Fußboden und wünsche mir, jemand würde die Zeit anhalten. Oder mich zurückbeamen in eine Zeit, in der man krank werden durfte und die Welt Verständnis hatte.

Zugegeben, es ist nicht fair, meinen Kindern Verständnislosigkeit vorzuwerfen. Grade die Große kann durchaus mitfühlend sein, streicht mir auch mal übers Haar und bemitleidet mich Jammerlappen. Allerdings reichen diese 40 Sekunden nicht zum Auskurieren, denn direkt im Anschluß muss ich schon wieder venezianische Tanzschritte einstudieren oder mit dem kleinen Yakari durchs Wohnzimmer galoppieren.

Mutter sein ist wohl der einzige wahre Full-time Job auf dieser Welt. Der einzige Job ohne Urlaubs- und Krankheitstage. Und so sind wir gezwungen, mit Hexenschuss einen Einkaufswagen samt Maxicosi durch den Supermarkt zu bugsieren oder mit Grippe im Publikum der Schulaufführung zu sitzen (mein morgiger Ausblick). Die ganze Misere wird dadurch gekrönt, dass Mütter mit Vorliebe entweder gleichzeitig oder kurz nach dem Nachwuchs krank werden, denn die kleinen Bazillenschleudern schleppen die Viren meist aus Kindergarten oder Schule nach Hause. Was in der Praxis bedeutet: Man ist sowieso schon ein paar Tage mit seinen Pflichten im Verzug und seinen Kräften am Ende, hat man doch ein oder mehrere Bündel Elend durch die Arztpraxen und Wohnung geschleppt, ein oscarreifes Unterhaltungsprogramm abgeliefert um dem ständigen Tränenfluß ein Ende zu bereiten und nachts vollgespuckte Betten frisch überzogen.

Heute Nachmittag versuche ich mich im Krankenhaus spielen und während ich "verdoktort" werde, erhoffe ich mir, unauffällig ein paar Minuten wegdriften zu können.

Was macht ihr wenn ihr krank seid? Das Gut-Mutter-Sein über Bord werfen und die Kinder auch mal eine Weile vor dem Fernseher parken? Oder schleppt ihr euch mit verbissenem Lächeln übern den Spielplatz?
Ich tendiere ja zu Ersterem. Und nun steinigt mich bitte nicht, sondern tätschelt mir die Wange und sagt mir, dass alles wieder gut wird.

1 Kommentar:

  1. Alles wird gut :-)))
    Aber es ist genau so, wie Du es beschreibst. Ich kenn da zwei Möglichkeiten: Variante 1 = Kind vor den TV parken, sonst gibt es früher oder später Tote im Haus. Variante 2 = Schwiegereltern fragen, ob sie die Kleine zu sich nehmen, damit ich in Ruhe krank sein darf. Meistens tendiere ich aber zu Variante 1, weil man ja denkt, dass es schon irgendwie gehen wird. aber Variante 2 wäre gesünder.
    Gute Besserung! LG MamaOTR

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