Dienstag, 11. Juni 2013

My Milky- Way

My Milky- Way

wer hat den Durchblick?


Über kaum ein Lebensmittel hört man so viel widersprüchliches wie über Milch. Vor allem seit ich mich intensiver mit Fleisch und Eiweiß- Konsum beschäftige, stoße ich sowohl im Freunden- und Bekanntenkreis als auch in den Medien auf krasse Milch-Gegner.
Als "Ernährungs-Managerin" einer 4-köpfige Familie, die in der Woche durchschnittlich gerne 10 Liter Milch konsumiert, fand ich also es sei an der Zeit, mich umfassend zum Thema einzulesen. Schließlich möchte man nicht irgendwann Schuld sein, falls eine der weit verbreiteten Krankheiten auftritt, die angeblich auf zu hohen Milchkonsum zurückzuführen ist.

Für alle Hin- und Hergerissenen, denen dank Job- und/oder Familien-Trouble die Zeit für etwas Recherche fehlt, möchte ich hier die Ergebnisse der aktuellen Forschungslage so kurz und prägnant wie möglich zusammenzufassen


Was ist drin?

Nährstoffe in optimaler Zusammensetzung:
Vitamine A, B1, B2 (ist wichtig für die Energieverwertung), C, D (wichtig für Kalziumaufnahme), E
hochwertiges Milcheiweiß,
Mineralstoffe: Kalzium (so viel wie kein anderes Lebensmittel), Phosphor, Kalium
Jod, Fluorid,
Wasser,
leicht verdauliches Milchfett.
Milchzucker (Laktose)


Ist unser Körper nicht dafür geeignet, Kuhmilch zu vertragen?

Wir Deutschen trinken weltweit pro Kopf am meisten Milch. Weil wir es können. Die Noreuropäer können aufgrund einer Genmutationen vor 8000 Jahren Milch auch im Erwachsenenalter gut vertragen. Viehirten mit dieser Mutation waren in harten Wintern besser genährt und überlebten Phasen mit Nahrungsmittelknappheit eher, konnten sich so also besser vermehren.

In anderen Regionen verlieren bis zu 90% der Menschen diese Fähigkeit nach der Säuglingszeit.
Weltweit sind 75% aller Erwachsenen Laktose-intolerant. In Deutschland sind es vermutlich nur 10-15%.

(das heisst ihrem Körper fehlt das Enzym Laktase, das hilft die Laktose in der Milch zu verdauen (verursacht Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall). In Laktose-freier Milch ist das fehlende Laktase-Enzym bereits künstlich zugegeben, somit verträglich für Laktose-Intolerante)


Enthält Supermarkt-Milch durch das Erhitzen keine Vitamine mehr?

grundsätzlich gilt: je mehr erhitzt wurde (und je weniger Fett enthalten), desto weniger Vitamine sind drin.
Allerdings hat selbst H-Milch (die am Höchsten und Längsten erhitzt wurde) nach der Aufbereitung nur 3% der ursprünglichen Vitamine verloren, pasteurisierte Frischmilch also noch weniger.
Alle anderen Inhaltsstoffe (Mineralstoffe etc) bleiben durch das Erhitzen komplett unverändert.

Übrigens: Wer Rohmilch kauft und diese zu Hause abkocht (empfehlenswert wegen der Keime; u.A. EHEC und Salmonellen-Gefahr) schadet den Vitaminen deutlich mehr. Grund: Abkochen im Topf dauert länger als pasteurisieren (dabei wird Milch nur 10 Sekunden lang erhitzt)


Enthält Milch Rückstände von Antibiotika und Umweltgiften?

"Rückstände wie Antibiotika oder Umweltgifte wie Dioxin werden viel weniger gefunden als noch vor zehn Jahren."
Hans Tober vom Laborzentrum MUVA Kempten

In Deutschland gibt es ausserdem sehr strenge Vorschriften, was die Anwendung von Antibiotika in der Landwirtschaft betrifft. Es sind angemessene Wartezeiten vorgeschrieben, deren Einhaltung kontrolliert wird. In dieser Zeit wird keine Milch einer mit Antibiotika behandelten Kuh in Umlauf gebracht.
Milch wird laufend während verschiedener Verarbeitungsprozesse kontrolliert, das Risiko Antibiotika- Rückstände oder andere schädliche Substanzen durch sie aufzunehmen, wird als sehr gering eingestuft.

 
Macht Milch dick?

Wegen ihres hohen Nährwerts ist Milch kein Getränk, sondern ein Lebensmittel.
100 Milliliter Vollmilch enthalten 67 Kalorien (= 2 Stücke Schokolade).
Wer sich ausgewogen ernährt, braucht trotzdem nicht zu befürchten, dass Milch als Ursache für Gewichtszunahme in Frage kommt. Zu erhöhtem Körperfett-Anteil führen nach wie vor hauptsächlich Bewegungsmangel und eine zu zucker- und fetthaltige Ernährung.

Wissenschaftliche Studien deuten darauf hin, dass höhere Verzehrsmengen von Milchprodukten mit einem geringeren Körpergewicht und Körperfettanteil von Erwachsenen und Kindern zusammenhängen. Umstritten ist, ob der Milchkonsum der Testpersonen allein dafür verantwortlich ist (wer jeden Tag einen halben Liter Milch trinkt, ist üblicherweise kein Kandidat für die 2L Cola-Flasche, etc.)

Wer nicht streng auf seine Fettzufuhr achten bzw. diese reduzieren muss, sollte lieber Vollmilch trinken denn in dieser sind mehr fettlösliche Vitamine (E, D, K und A) enthalten. Vor allem das Vitamin D, das wir normalerweise unter Sonneneinstrahlung bilden können, ist wichtig für eine gesunde Kalzium-Aufnahme.

Für Menschen, die Probleme mit dem Fettstoffwechsel haben, oder die eine strikte Diät einhalten sollten, ist die fettarme Variante (vorübergehend) geeigneter.


Ist Milchfett ungesund?

Milchfett ist sehr gesund.
Es ist erwiesen, dass Milchfett vor Arteriosklerose schützen kann (somit vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen).
In  Tierversuchen ließ sich feststellen, dass es zu Gewichtsreduktion und Muskelaufbau führt. Ob diese Ergebnisse auf den Menschen übertragbar sind, ist noch unklar.


Verursacht Milch Allergien?

Säuglinge reagieren auf Kuhmilch oft mit Hautausschlag. Die ist keine Laktose-Intoleranz, sondern eine Milcheiweiß-Allergie. Diese Allergie verläuft ebenso wie andere Lebensmittelallergien (Äpfel, Nüsse, etc.). Bei Säuglingen und Kleinkindern verschwindet sie meist bis zum Schuleintritt. Generell sollte während einer Lebensmittelallergie auf das betroffene Erzeugnis komplett verzichtet werden. 
Früher galt: im ersten Lebensjahr keine Kuhmilch. 
Heute weiß man: Milch löst nur eine Allergie aus, wenn die Veranlagung dazu besteht. Falls nicht gestillt wird und es in der Familie weder Heuschnupfen noch sonstige Allergien gibt, dürfen Säugling auch Muttermilch-Ersatznahrungen auf Kuhmilchbasis bekommen.

Rohmilch ist im Allergien-Schutz unschlagbar, das konnte eindeutig belegt werden. Welcher Inhaltsstoff der Rohmilch genau für diesen Schutz verantwortlich ist, wird momentan erforscht. Man erhofft sich durch die Ergebnisse den Erhalt dieses Stoffes auf pasteurisierter Milch übertragen zu können.
Wegen der möglichen Keime ist Rohmilch allerdings für Kleinkinder (auch Schwangere, Senioren, Menschen mit schwachem Immunsystem) ungeeignet.


Milch und Diabetes

Diabetes Typ 1:
Menschen die Diabetes Typ 1 entwickeln, haben eine entsprechende genetische Veranlagung. 
Unterschieden wird in verschiedene Risiko-Typen. Eine Studie erwies, dass unter Hochrisikopatienten ein reduzierter Kuhmilch-Konsum während des 1. Lebensjahres das Ausbruchs-Risiko verminderte. Bester Schutz gegen den Ausbruch der Krankheit ist es, 4 Monate voll zu stillen und danach mit dem Beikost-Aufbau anzufangen. Im ersten Lebensjahr sollte dabei ganz auf Kuhmilch verzichtet werden. Ab dem Kindergartenalter konnte kein negativer Einfluss von Kuhmilch mehr festgestellt werden.

Diabetes Typ-2:
Es gibt es Hinweise, dass Milchfett vor Diabetes Typ 2 schützt. Allerdings sind die Studien nicht eindeutig.

Generell kurbelt Milch bei Diabetikern den Insulin-Stoffwechsel an.

Milch und Krebs

"Momentan ist die Studienlage so, dass ein erhöhter Milchkonsum das Risiko von Dickdarmkrebs senken kann. Eventuell erhöht aber ein Milchkonsum das Risiko für Prostatakrebs. Allerdings nur, wenn gleichzeitig sehr viel Kalzium zugeführt wird und wenig Vitamin D. Man sollte also auf keinen Fall mehr als 1.500 mg Kalzium pro Tag essen und darauf achten, dass genügend Vitamin D zugeführt wird. Bei Brustkrebs ist die Studienlage nicht eindeutig. Möglicherweise senkt aber ein Milchverzehr das Brustkrebsrisiko."
Sabine Häberlein, Diplom Ökotrophologin


Milch und Osteoporose (Knochenschwund)

Studien belegten, dass Frauen in einigen asiatischen und afrikanischen Ländern (in denen kaum Milch getrunken wird), seltener an Osteoporose erkranken, als in Deutschland oder anderen Industrienationen mit hohem Milch-Konsum. 
Eine willkommene Neuigkeit für alle Milch-Hysteriker
Allerdings ist auch erwiesen, dass nicht nur Kalzium, sondern auch Bewegung eine der Hauptkriterien dieses Krankheitsbildes ist. 
Aufgrund geringerer Mobilität und anderen Arbeitsbedingungen sieht der Bewegungs-Alltag der asiatischen/afrikanischen Studienteilnehmer natürlich anders aus, als der der deutschen Schreibtisch- Arbeiter, die sämtliche Wege mit dem Auto zurücklegen. 
Ob aufgenommenes Kalzium richtig verwertet wird, hängt ausserdem auch mit Vitamin D zusammen. Dieses bildet der Körper vor allem unter Einwirkung von UV-Licht (z.B. Arbeit draussen auf dem Feld).
Durch diese Umstände sind Asiatinnen und Afrikanerinnen oft besser vor Knochenschwund geschützt als Deutsche. 
Das sich daraus ableiten lässt, dass Milch die Knochen zerstört, halte ich für eine falsche Schlussfolgerung.


Die Tiere

Zu guter Letzt möchte ich euch nicht vorenthalten, dass ich diverse Bilder, Berichte und Videos darüber gesehen habe, wie die Milchindustrie funktioniert und die übliche Tierhaltung nichts für schwache Gemüter ist. Keine Sorge, ich werde hier nicht in ein ideologisches "Tierquäler!"-Blabla fallen, allerdings: Wer ein großes Herz für Tiere hat, sollte sich vielleicht mal ansehen, wie Milchkühe gehalten werden und seinen Milchkonsum dem anpassen, was er mit seinem Gewissen vereinbaren kann. Ich empfehle hier die NDR- Reportage: Die Milch - Lüge (youtube) und die Peta-Homepage.


Fazit

Nach den ganzen Fakten dürft ihr euch nun selbst Gedanken zu eurem Milch-Konsum machen.

Für mich steht fest, dass Milch und Milchprodukte wie Joghurt weiterhin auf unserem Speiseplan stehen, da viel Gutes drinsteckt und für gesunde Menschen, die unter keiner Unverträglichkeit leiden, keinerlei Risiken 100%ig nachgewiesen werden konnten. Ausserdem schmeckt sie uns allen wunderbar.

Allerdings werde ich vielleicht in Zukunft auch mal ein paar Alternativen (Sojamilch etc.) testen. Falls mir das geschmacklich zusagt, werde ich wohl die ein oder andere Milchtüte in unserem Kühlschrank dadurch ersetzen, um diesen Wahnsinn in der Tierhaltung (der durch die hohe Nachfrage verursacht wird), nicht allzusehr zu fördern.




Quellen: 
Bayrisches Fernsehen: Milchkunde,  Rund um das wertvolle Lebensmittel
Bayrisches Fernsehen: Milch,  wann ist sie gesund? wann macht sie krank?
Frank Massholder: Lebensmittellexikon
MDR: Milch als Heilmittel
MDR: Milch als Krankmacher
NDR: Die Milchlüge
Zeit Online: Natur aus der Fabrik
Bundesinstitut für Risikobewertung: Fragen und Antworten zu den Auswirkungen des Antibiotika-Einsatzes in der Tierproduktion
Brigitte: Ist Milch gesund?
Alles zur Allergologie: Milch
Pharmazeutische Zeitung: Mit Vorsicht und Verstand essen

Kommentare:

  1. Danke für das zusammentragen.. sehr tolle Informationen!!!

    Bzgl den Tieren ;) einfach direkt vom Örtlichen Bauer holen wo man die Haltung der tiere noch mitbekommt oder wo ich auch gute Erfahrungen gemacht habe http://www.schoembucher.de/html/albhof/unser_albhof.html - gibt es beim Gebauer! ;)

    AntwortenLöschen
  2. https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=nKeWmT4xyk8

    Anregungen für den nächsten Blog ;)

    AntwortenLöschen
  3. Mandelmilch von Alpro unbedingt versuchen!! Sojamilch ist nämlich auch nicht das gesündeste. Aber allemal besser als Babynahrung für einen Erwachsenen. Das dies von der Natur so nicht vorgesehen ist und daher für Krankheiten verantwortlich ist, ist logisch. Wenn schon Babynahrung dann bei der eigenen Spezies bleiben und Menschenmilch versuchen, ist sicherlich besser auf den menschlichen Körper abestimmt, als die von ner Kuh.

    AntwortenLöschen
  4. www.milkiscruel.com

    auch zu empfehlen der Beitrag von RP-Online:
    http://www.rp-online.de/gesundheit/ernaehrung/wie-milch-krank-macht-1.3041248

    AntwortenLöschen

Was meinst du?