Montag, 6. Mai 2013

"Lieber Selber"

Aus dem Leben mit einem großen Kind 

Lieber große Schaukääääl

Ich weiss nicht, wann der Tag kam, an dem meine Tochter (18 Monate) entschied, jetzt groß zu sein.
Vielleicht habe ich irgendetwas getan, das fehlinterpretiert werden konnte. Vielleicht hat es mit ihren Synapsen zu tun. Vielleicht hat irgendwo jemand auf der Welt mit einer Vodoo-Puppe hantiert und dabei an einen Auto fahrenden Affen gedacht. Was es auch gewesen sein mag.... die Folgen sind fatal.



Man darf sich meinen Tag ungefähr so vorstellen:

Ich entscheide vormittags, einkaufen zu gehen. Wir brauchen 20 Minuten weil Rumpelstilzchen denkt, sie könne ihre Schuhe alleine anziehen und den Reißverschluss ihrer Jacke zumachen. Frustration macht sich breit, da es - Überraschung- nicht so reibungslos läuft wie von ihr geplant. Unter Tränen und mit hochrotem Kopf entscheidet sie nach 10 Minuten, dass "selber" zwecklos ist und gestattet mir "helfä".

selber schiebäää
Auf dem Weg zum Auto gibt es eine Auseinandersetzung, da Rumpelstilzchen einen mir unbekannten Weg zu kennen scheint und sich nicht davon überzeugen lässt, dass sie nirgendwo anders als im Garten landet, wenn sie nicht umdreht.

Im Supermarkt möchte Rumpelstilzchen nicht im Wagen sitzen, "lieber selber laufä".  Auch kennt sie meinen Einkaufszettel besser als ich und ist sich sicher, dass wir 30 Joghurts brauchen. Ich versuche alle gebrachten Joghurts auf dem Weg zur Kasse wieder irgendwo verschwinden zu lassen und bete, dass mich die charmante Dame, die die Regale sortiert, nicht im Schlaf ersticht.

selber anziiieh
Wieder zu Hause müssen wir für alles die 3-fache Zeit einplanen.... Rumpelstilzchen schält Karotten, wischt Milch vom Fußboden auf, räumt die Spülmaschine aus, hängt mit mir Wäsche auf, balanciert auf dem Fensterbrett, deckte den Tisch um 16h mit Müsli und Honig, telefoniert, führt eine sinnvollere Ordnung in meinen Küchenschränken und der DVD- Schublade ein, trägt die Kleider ihrer großen Schwester, führt meine Handtsche aus ("Wo gehst du hin?" - "selber Bäcka"), führt lange, ernsthafte Diskussionen mit Siri, versucht im Stehen Bobbycar zu fahren.


Was tun? Gar nichts! 
Einfach öfter mal tief durchatmen.
Für alles mehr Zeit einplanen.
Sich auf den Tag freuen, an dem sie ein paar Stunden im Kindergarten alles "lieber selber" machen wird. 
Damit rechnen, dass man nie mit Allem fertig wird.
Über das Chaos hinwegsehen.
Sich damit arrangieren, dass die Haferflocken künftig im Nudelsieb aufzufinden sein werden.

Am Meisten hilft mir die Gewissheit, dass es nicht immer so bleiben wird. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass sie aufhören wird, den Tisch zu decken, zu putzen, die Spülmaschine auszuräumen, meine Wäsche aufzuhängen.
Spätestens an dem Tag, an dem sie tatsächlich groß genug ist um eine Hilfe zu sein.






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