Montag, 29. April 2013

Fleischkonsum

Der Teilzeit - Veggie

 weil ich am Liebsten Fleisch esse


Mittlerweile gibt es so viele Skandale zum Thema Fleisch, dass man sie auch mit Anstrengung kaum noch zusammenkriegt: Da wäre der Dioxin- Skandal, diverse Hormon- und Antibiotika-Aufreger, die Gammelfleisch- Geschichte und natürlich unvergessen der aktuelle Pferdefleisch- Skandal.

Zusätzlich zu den hygienischen Fragwürdigkeiten, falschen Deklarationen und krankmachenden Inhaltsstoffen bekommen wir laufend Bilder von Massen-Schweinezucht, überladenen Rinder-Transporten und zerrupften Hennen in Legebatterien vor die Nase. Und wenn Einem dann noch mit erhobenem Zeigefinger die Co2-Bilanz eines Rinderhüftsteaks vorgeworfen wird, könnte man schnell meinen, dass es nur 2 Alternativen gibt: Vegetarier werden oder ein egoistisches Leben als Umweltverschmutzer und Tierquäler zu führen, das aufgrund des schlechten Karmas recht freudlos verlaufen wird. Da könnte man schon fast froh sein, dass diesem Elend überdurchschnittlich früh durch Bluthochdruck und Herzinfarkt ein Ende bereitet wird.

Was also, wenn man (wie auch ich) damit aufgewachsen ist, so gut wie täglich Geschnetzteltes, Bolognese, Gulasch oder ein Lionerbrötchen vorgesetzt zu bekommen? Und was, wenn Einem ein großer Verlust an Lebensqualität garantiert ist, sobald man das Rinderfilet vom Speiseplan streicht? Einfach weil man gerne gut isst und Fleisch verdammt noch mal schmeckt...?

Da ich bei uns für die Nahrungsbeschaffung und -zubereitung zuständig bin, entscheidet mein Weg über das Essverhalten von 4 Personen. So eine Verantwortung lastet schwer, also sah ich mich vor einiger Zeit gezwungen, endlich meine Ignoranz abzulegen und mich umfassender mit dem Ganzen auseinander zusetzen.

Da ich euch jetzt nicht mit Zahlen und Fakten langweilen will (ein paar interessante Links am Ende), komme ich ohne Umschweife auf die Resultate meiner Recherchen und Überlegungen: 

Ich persönlich (und damit auch meine Familie) habe bisher zu viel Fleisch gegessen. Mehr als mein Körper benötigt. Und soviel, dass es über Jahrzehnte betrachtet auf jeden Fall gesundheitliche Risiken birgt (ja, auch die Umwelt wird belastet und die Tiere gequält...).

Daher habe ich mich vor 2 Monaten entschieden, dass bei uns nur noch mittwochs und sonntags Fleisch auf den Tisch kommt. Die restliche Woche ernähren wir uns von Fisch bzw. vegetarisch. Klingt erstmal relativ drastisch für jemanden, der fast täglich Fleisch und Wurst gegessen hat. Und es ging sogar noch weiter:

Als ich dabei war zu ermitteln, welche Nährstoffe wir tatsächlich in welchen Mengen brauchen und wo die Grenze zwischen Genuss und Maßlosigkeit verläuft, bin ich mit so vielen Fakten überschwemmt worden über gesundheitsgefährdende Spuren im Fleisch, dass mir erstmal die Lust auf Billigfleisch vergangen ist. 

Schlechtes Fleisch im Supermarkt-Regal ist nicht die Ausnahme, um die man eben manchmal nicht herumkommt, sondern die Regel. Also habe ich nicht nur verändert, wie oft wir Fleisch essen, sondern auch welche Qualität. Ich habe zum ersten Mal verglichen und auch bei verschiedenen Metzgern nachgefragt. Und habe festgestellt, dass sie in den Preisen zwar oft eng zusammenliegen, sie aber in der Philosophie Welten trennt. Da gibt es welche, die von regionalen Bauern die Tiere persönlich gebracht bekommen und diese dann schlachten. Und auch welche, die die Tiere bereits zerlegt bekommen... von einem Großhandel in Frankfurt. Und die nicht mal sagen können, ob die Tiere überhaupt aus Deutschland kommen. Metzger ist eben nicht gleich Metzger.

Der Aufwand war gering: ich habe einfach überall einemal nachgefragt und so letzten Endes sogar mehrere Metzger meines Vertrauens gefunden.
Dort kaufe ich jetzt mein (weniges) Fleisch, dass ich seitdem umso mehr zu schätzen weiss, habe ein reines Gewissen und größeren Genuss.
Ich habe experimentiert und neue, vegetarische Rezepte probiert. Ich habe langweilige Sachen gefunden und Gute; welche die den Kindern schmecken und nicht wenige (vor Allem mit Fisch), die nichts sind für junge Geschmäcker :). Aber vor allen Dingen bin ich noch lange nicht fertig damit.

Das Resultat nach Wochen ist, dass es nicht anstrengend ist.
Es ist keine Diät, die man durchhalten muss, sondern eine langfristige Umstellung die sogar Spaß macht.
Weil man weiss, dass es das Richtige ist.
Weil sich alle in der Familie besser fühlen.
Weil der Bauch flacher ist :).
Weil man auch an 5 vegetarischen Tagen in der Woche wunderbar kochen kann und alle satt und zufrieden bekommt.
Weil es auch in der Fleischfrage den gesunden Mittelweg gibt.

Vegetarische Rezepte (einfache, schnelle, raffinierte und aufwändige) die mir besonders gut gefallen, werden in den kommenden Wochen online gestellt.


Hier noch einige Links, die man ignorien kann. Man kann aber auch mal drüber nachdenken ;-)

http://www.youtube.com/watch?v=UHl6LeCbaZw Wasser im Fleisch

http://www.taz.de/!112984/  Antibiotika im Fleisch

http://www.greenpeace-magazin.de/index.php?id=4280 Hormone im Fleisch

http://www.spiegel.tv/filme/fleisch-massentierhaltung-magazin/ Fakten und Gedanken zu Konsum und Herkunft

http://www.stern.de/wirtschaft/news/pferdefleischskandal-die-verschlungenen-pfade-des-fleisches-1971614.html die Wege des Fleisches

http://www.br.de/themen/ratgeber/inhalt/ernaehrung/brauchen-wir-fleisch100.html Wieviel Fleisch brauchen wir?



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